Nizza 2026 - Tag 6 - Col du Turini

Heute sollte die Königsetappe anstehen. Ich hatte diese eigentlich bereits für Dienstag geplant habt, aber aufgrund der Wettervorhersage auf heute verschoben. Ein Blick aus dem Fenster sagte mir auch, dass dieses die richtige Entscheidung war. Der Verkäufer im Cafe du Cycliste hatte mir auch bestätigt, das heute und Morgen ein gutes Fenster für den Turini wäre. Doch zuerst sollte es auf den Col de Braus gehen.

Von Cagne-sur-Mer fuhr ich erst einmal wieder nach Nizza, da dieses das Ausfalltor für alle Berge nördlich von Nizza war. An der Promenade war auch um 08:00 Uhr schon was los und die eine oder andere Radgruppe kam mir entgegen. Ich fragte mich, ob die auch irgendwo in die Berge fahren oder nur flach am Wasser entlang. Hinter Nizza kam ich am Anstieg zum Col d’Eze vorbei, doch ließ ich diesen links liegen.

Bei leichter Steigung ging es immer weiter ins Landesinnere, bis mein Garmin mir den Anstieg zum Col de Braus ankündigte. Der Anstieg startete in Touet de l’Escarene und wurde auch mit einem Schild beworben. Man konnte wohl irgendwie die Zeit nehmen und auch Fotos machen lassen, doch durchdrang ich das System nicht wirklich und beließ es bei meinen eigenen Bildern. Jetzt hieß es auf knapp 10 Kilometern 632 Höhenmeter zu erklimmen, doch vorab machte ich eine kleine Pause und genehmigte mir eine Stärkung mit einem Croissant und einem Kaffee. Die Strecke war nicht super steil, aber die durchschnittlichen 6% waren nicht komplett gleichmäßig. Auf der einen Seite war dieses gut für mich, da ich immer wieder kurze Phasen der Erholung bei 2-3% hatte, auf der anderen Seite bedeutete es auch immer wieder Passagen von 8-9% zu haben. Die von mir gewählte Übersetzung mit 36-34 als kleinsten Gang war die richtige, denn den kleinsten Gang benötigte ich immer ab ca. 10% und dieses kam nicht so oft vor. So konnte ich die steileren Abschnitte durchaus mit kräftigerem Tritt durchdrücken.

Immer weiter ging es nach oben, mal eher geradeaus, dann wieder in Serpentinen. Diese Abwechslung machte es leichter durchzuhalten, auch die Ausblicke auf die Landschaft war phänomenal und ich genoss die Fahrt, trotz aller Anstrengung. Viele andere Fahrer sah ich nicht, dafür hielt sich auch die Anzahl der Autos in Grenzen, wenn mich durchaus der eine oder andere Sportwagen überholte. Diese Streckenführung lädt aber auch wirklich zu so etwas ein. Schließlich kam ich am Col de Braus an. Damit hatte ich bereits die ersten 1000 hm geschafft. Eine Gruppe Mountainbiker mit eBikes stand herum. Das Passschild war leider hinter einem Camper von einem holländischen Pärchen halb verdeckt, doch ich wollte das Foto haben. So ging ich und wir kamen direkt ins Gespräch, die beiden waren mit zwei Hunden und einem Papagei, der gerade frei herumlief unterwegs. Sie machten auch sehr bereitwillig Fotos von mir vor dem Schild. Nach diesem sehr netten Gespräch machte ich mich an die Abfahrt nach Sospel.

Auch hier war es wieder wunderschön, auch wenn sich die Bilder wahrscheinlich später irgendwie gleichen. In Sospel machte ich noch eine Pause, trank einen Kaffee und füllte meine Trinkflaschen. Überrascht war ich von dem vielen Verkehr im Ort. Am Ortsausgang war wieder ein Schild, welches den Start des Passes ankündigte. Die Daten lauteten 24 Kilometer bergauf und dabei sollten 1300 Höhenmeter bewältigt werden. Ich rechnete mit gut zwei Stunden Bergauffahrt. Viele Kurven und Serpentinen standen auf dem Programm. Ich fand einen guten Rhythmus und arbeitete mich Kilometer für Kilometer voran. Die drei Damen, die gestern auch im Cafe du Cycliste gewesen waren und heute ebenfalls den Turini bezwingen wollten begegneten mir nicht, überhaupt war weniger los, als ich gedacht hatte.

Endlich kam ich am Pass an und es stand das obligatorisch Foto an. Bis hier hatte ich mir offen gelassen, ob ich die zusätzliche  Schleife zum Authon machen würde. Von der Zeit her würde es passen und meine Beine fühlten sich auch noch so an, dass ich die zusätzlichen 400hm würde bewältigen können. So machte ich nicht lange Rast und es ging direkt ziemlich steil in mehreren Serpentinen bergauf. Die Temperaturen war frisch, fast schon kalt, was aber wahrscheinlich auch daran lag, dass ich ziemlich durchgeschwitzt war.

Nach einiger Zeit kam ich an den Start der Schleife. Ich sah wo ich später herkommen würde, doch erst würde es etwas bergab gehen. Ich hatte schon ein wenig bedenken den Höhenunterschied zu überwinden. Doch ließ ich mich auf das Wagnis ein und rollte weiter. Die Strasse war recht uneben. Nach ein paar Kilometern waren ein paar Arbeiter dabei den Weg regelrecht freizupusten. Ich war doch von dieser Arbeit überrascht. Man machte die Rundfahrt wohl bereit für den Sommer. Die Kollegen mit den Laubbläsern hörten mich gar nicht und erst als ein Kollege sie auf mich aufmerksam machte konnte ich an ihnen vorbei fahren.

Dann kam plötzlich die Garminanzeige mit der Meldung, dass jetzt erst der Anstieg mit den 400hm starten würde. Ich hatte im Geiste damit bereits am Anstieg der Serpentinen gerechnet und jetzt musste ich doch noch ein paar mehr Höhenmeter machen. Die Steigung zog auch entsprechend an und bewegte sich laufend bei 8-12% Hier merkte ich dann doch meine Übersetzung. Längere Abschnitte von über 10% waren dann doch ziemlich herausfordernd mit meiner Übersetzung, aber da musste ich jetzt durch.

Die Hochebene öffnete sich und ich konnte sehr gut den Weg sehen, den ich noch zu bewältigen hatte. Hier sah ich die ersten kleinen Schneefelder und auch ein paar Wanderer waren unterwegs. Ich hoffte die 2000m Marke auf der Straße geknackt zu haben, was ja einer der Gründe war, warum ich die Schleife überhaupt in Angriff genommen hatte. Irgendwo mit meinen Radschuhen wollte ich nicht mehr rauflaufen. Am Ende der Steigung stand noch ein einsamer Radler, der wieder sehr nach Profi aussah. Diese scheinen durchaus den „normalen“ Rennradfahrer  zu grüßen, was ich recht positiv fand. Dann hatte ich die Schleife hinter mich gebracht. Am Beginn der Schleife hat ich zuvor eine kleine Restauration gesehen, an der ich jetzt anhielt und mich mit einem Cappuccino und einem Stück Kuchen stärkte. In der geschützten Sonne war es regelrecht warm. Doch ich hatte ja noch reichlich Weg vor mir, wenn es auch ab jetzt eigentlich nur noch bergab ging.

Als ich auf dem Turinipass wieder ankam, sah ich das holländische Pärchen und wir kamen nochmal ins quatschen. Doch letztlich hieß es Abschied nehmen und ich ging die Heimreise an. Die Strecke war wieder traumhaft schön mit vielen Serpentinen und weiten Blicken bis zum Meer! Zwischendurch musste ich meine Strecke etwas korrigieren,  da ich nicht den richtigen Weg fand und plötzlich auf einem Parkplatz stand. Doch mit ein wenig Suchen wusste ich dann, wo es weitergehen sollte und ich wurde auch bald wieder auf die eigentliche Strecke geführt. Der Garmin leistete schon gute Dienste, auch wenn man manchmal  etwas genauer hinsehen muss.

Ohne weitere Vorfälle landete ich wieder in Nizza und musste nur noch die lange Promenade bewältigen. Hier auf der Geraden tat mir der Hintern dann doch ordentlich weh. Dann war ich gegen 17 Uhr wieder am Appartement angekommen und hatte 155 Kilometer mit über 3000 Höhenmetern bezwungen. So viel war ich schon sehr lange nicht auf einer Tour gefahren. Anschließend erholte ich mich bei Baguette, dem letzten Rest Rotwein und schaute was die Profis so machten.