Slowenien 2026 - Tag 6 - Tolmin

Es stand die letzte Tour an. Frank ging es wieder besser und er wollte zumindest ein kleines Stück fahren, um zu sehen, was sein Knie dazu sagt. Leider ging es Fayek jetzt nicht so gut. Er hatte mit Magenprobleme zu kämpfen und fühlte sich nicht in der Lage nochmal auf das Rad zu steigen. Dieses war sehr schade, zumal Fayek sich schon mit der Strecke beschäftigt hatte und einen schönen alternativen Abschnitt gleich zu Beginn der Strecke gefunden hatte. Da Frank auch gerne noch eine etwas andere Strecke fahren wollte, entschieden wir die Tour ab Tolmin anzugehen. Die Idee war gemeinsam loszufahren und ich würde dann irgendwann weiterfahren und Frank würde mich dann mit dem Auto einsammeln kommen. So starteten wir zeitig und ließen Fayek allein in der Wohnung zurück. In Tolmin fanden wir den Parkplatz, den ich via Google ausgekundschaftet hatte und setzen uns auf unsere Räder. Kaum waren wir aus dem Ort raus, wurde es sehr ruhig und wir waren auf einer kleinen Nebenstraße unterwegs. Es ging auch gleich bergan, wenn auch mit moderater Steigung. Dafür konnten wir immer wieder einen schönen Blick hinunter ins Tal werfen und sahen die Soca dahinfließen. Sie war hier deutlich breiter und nicht mehr der schmale Gebirgsfluss, den wir aus Bovec kannten. Ich hatte mich inzwischen von frank verabschiedet und fuhr in meinem Tempo weiter.  Nach rund 10 Kilometern führte mich die Strecke dann auf die Hauptstraße, die aber auch nur gering befahren war. Nach einer kurzen knackigen Rampe ging es eher flach weiter und ich konnte recht weit ins Tal blicken. Ich fand auch den von mir geplanten Wasserstopp und füllte meine Trinkflaschen auf. Es ging sehr idyllisch durch das Tal und ich genoss die Fahrt. Zwischendurch überlegte ich, wie weit ich fahren wollte. Die Planung, die ich mit Frank abgestimmt hatte, war am See auf ihn zu warten und dann gemeinsam im Auto zurückzufahren. Dieses wäre die Hälfte der ursprünglich gefahrenen Strecke gewesen. Wie so oft konnte ich aber vom radeln nicht genug bekommen und überlegte, ob ich nicht wieder zurück bis Tolmin oder gar Bovec fahren sollte. Dieses wäre eine richtig lange Etappe von 160 km geworden, doch reizte es mich sehr eine solche Strecke zu bewältigen.

Nach weiteren 10 flachen Kilometern begann die eigentliche Steigung. Die kommenden 5 Kilometer stieg die Straße mit 7,3 % im Schnitt an. Es hieß also einen kleinen Gang einlegen und die Leistung nach oben schrauben.  Die Straße selbst war in ordentlichem Zustand und wand sich über diverse Kurven im Wald den Hang hoch. Mir kamen ein paar andere Radler entgegen, aber in meine Richtung sah ich keine.  So musste ich mich selbst motivieren. Inzwischen taten sich immer wieder Lücken im Wald auf und ich konnte über eine schöne wellige Landschaft mit viel Grün blicken. Nach einer kurzen Abfahrt und einem kleinen Flachstück zum Durchatmen begann der zweite Teil des Anstiegs. Jetzt hieß es nochmal gute 4 Kilometer mit 8% zu bezwingen. Die Steigung war dabei eher unrhythmisch und ich hatte immer wieder Rampen jenseits der 10 % bis hin zu 15-17% zu bewältigen. Immer wieder horchte ich auf Autogeräusche und ob Frank mich von hinten einholen würde, doch da war nichts. Dann war ich oben. Ein richtiges Passschild gab es nicht, dafür hatte ich eine Art Hochplateau erreicht. Es war die Bodenstation eines Skigebiets und es tummelten sich sehr viele Mountainbiker hier. Neben der Straße war ein richtiges Camp. Ich entdeckte noch eine Möglichkeit meine Flaschen zu füllen. Ab jetzt ging es nur noch bergab.  Mein Ziel, den See, konnte ich nirgends sehen. Nach 10 Kilometern wurde die Straße flacher und ich dachte, dass ich jetzt den See sehen müsste, doch war dem nicht so. Es sollte noch gut 7km so weitergehen, bis ich am See ankam. Auf diesen flachen Kilometern wurde die Bebauung immer dichter und ich kam wieder in eine bewohnte Gegend. Es sah sehr nach einer Urlaubsregion mit vielen Pensionen und kleinen touristischen Läden aus. Da Frank mich immer noch nicht eingeholt hatte ging ich in den nächsten Supermarkt, um mich zu stärken. Es waren viele Jugendliche hier unterwegs, die wohl auf einem Ferienausflug waren. Da ich noch Lust hatte weiterzufahren und meinen kleinen Plan vielleicht doch noch bis Bovec wieder mit dem Rad zurückzufahren wollte ich zumindest den Anstieg zurück hoch zum Skigebiet fahren. Ich telefonierte mit Fran, der noch ca. 7km zu fahren hatte. Es war selber doch noch rund 30 km gefahren und da die Straße schmal und kurvenreich war, konnte er nicht besonders schnell fahren.

Am See selbst gab es nicht so viel zu entdecken und wir einigten uns, dass ich schon wieder losfahren würde, während er noch zum See fahren würde. Über dem Wasser zogen sich auch Gewitterwolken zusammen, so dass ich zusah loszukommen. Leider erwischte mich der Regen dann doch. Zuerst nur ein wenig und ich hatte noch die Hoffnung, dass das Gewitter über dem See bleiben würde, aber leider zog es weiter in meine Richtung. Der Regen wurde heftiger und bald war ich klitschnass. Glücklicherweise war es nicht kalt und da es ja bergauf ging war es fahrerisch auch nicht anspruchsvoll. Im Stillen hoffte ich, dass die Wolken auf dieser Seite des Bergs bleiben und die andere Seite trocken wäre, denn noch immer wollte ich mit Rad zurück nach Bovec. Frank überholte mich und fragte, ob ich einsteigen wollte. Ich meinte, ich würde mich freuen, wenn er oben am Pass auf mich warten würde.  Obwohl ich es mir nicht eingestehen wollte, war ich doch schon ziemlich platt und die Vorstellung vom Pass noch weitere 70 km fahren zu müssen ließen mich ob meiner Idee unsicher werden. Zusätzlich fand ich es etwas unkollegial, wenn ich Frank jetzt warten ließ, nur um ihm mitzuteilen, dass er allein weiterfahren könnte. Kurz vor dem Pass hörte der Regen fast auf und ich sah sogar ein wenig Sonne. Oben hielt ich an und besprach mich mit Frank. Am Ende überzeugte mich sein Standpunkt, dass es doch ein wenig unvernünftig wäre weiterzufahren, zumal die Straßen bergab durchaus nass waren. So entschied ich die Tour zu beenden. Erst jetzt nachdem ich vom Rad abgestiegen war, spürte ich wie kaputt ich wirklich war. Ich brauchte eine ganze Zeit mich zu erholen und andere Sachen anzuziehen. Wir setzten uns noch in das vorhandene Restaurant und stärkten uns. Frank erzählte von seiner Tour und er war sehr zufrieden mit sich nochmal auf das Rad gestiegen zu sein, zumal sein Knie gehalten hatte.

Ich überließ Frank das Steuer und entspannte mich auf dem Beifahrersitz. Überraschenderweise meldete sich mein Magen trotz der kurvenreichen Abfahrt nicht. Erst nach dem die vielen Serpentinen vorbei waren wollte ich dann doch lieber ans Steuer. Hier war das Wetter auch wieder bestens, sonnig und warm. So fuhren wieder zurück zu unserer Wohnung und berichten Fayek von unserer Tour. Im Anschluss begannen wir unsere Sachen zu packen und uns auf die Rückreise vorzubereiten.