Nizza 2026 - Tag 3 - Col d'Eze und Madone

Da für Dienstag Regen am Col de Turini angesagt war, hatte ich meine Tourenplanung umgestellt und anstelle heute nach Cannes zu fahren, wollte ich den Col d’Eze und den Col de la Madone bezwingen. Los ging es aber wie immer mit einem Kaffee und einem Croissant beim Bäcker. Dann alles fertig machen und um 08:30Uhr saß ich auf dem Rad. Es ist schon erstaunlich um wieviel früher man los kommt, wenn man alleine unterwegs ist.  Es ging wieder, wie an Tag 1 in Richtung Nizza, nur diese Mal noch weiter nach Osten.

In Nizza stand als erster Berg der Col d’Eze an. Dieser ist ja der Scharfrichter bei Paris-Nizza, alledings wird er dort von der anderen Seite gefahren. Irgendwie hatte ich trotzdem nicht so richtig auf dem Schirm, dass es 9km bergauf gehen sollte. Dabei fahren knapp 500hm zu bewältigen. Eigentlich ganz moderat, aber mittendrin existiert ein Flachstück, was die restliche Strecke deutlich anspruchsvoller machte. Doch ich fühlte mich gut und konnte mit richtig Druck auf der Pedale den Berg in Angriff nehmen. Auch meine Trittfrequenz war über dem was ich sonst fahre und die Wattanzeige lag irgendwie dauernd bei 270 – 290 Watt. Ich war mir auch nicht sicher, ob ich dieses Tempo würden halten können. Wo ich mir recht sicher war, dass ich für diese Anstrengung später am Col de la Madone bezahlen würde. Aber es sollte ja noch eine Pause davor geben und ich hoffte mich dann dort halbwegs zu erholen. Den langen Berg konnte ich ja auch gemächlicher angehen. In der Auffahrt schaffte ich es an einen anderen Radfahrer heranzufahren und diesen zu überholen, was meine Motivation natürlich noch steigerte. Sehr zufrieden, aber auch mit ziemlich angeschlagenen Beinen erreichte ich die Passhöhe. Dort machte ich erst mal ein paar Fotos von diesem denkwürdigen Ort.

Die Aussicht von hier oben in die Buchten hinunter war wirklich atemberaubend. Da wünscht man sich hier zu wohnen… Die Straßen waren allerdings nicht sehr breit und es herrschte durchaus Verkehr, doch alles in allem nahmen die Autofahrer hier sehr viel mehr Rücksicht auf die Radfahrer als bei uns! In der Überfahrt nach Menton konnte ich einen schönen Blick auf Monaco werfen und in der Bucht lagen einige sehr große Jachten. Die Abfahrt ließ meine Beine lockern, aber ich merkte, dass ich jetzt gut was Essen konnte. Meine Riegel wollte ich aber nicht angreifen, da ich diese später noch benötigen würden. So wartete ich, bis ich zum geplanten Stopp bei einem Bäcker in Menton ankam. Die Auslage war wirklich sehr verführerisch, doch ich begnügte mich mit einem Kaffee und einem Puddingteilchen. Gerne hätte ich zwar mehr gegessen und auch noch mehr Kaffee gehabt, aber mir war klar, dass ich mit einem nicht so vollen Magen den Berg deutlich besser hochkommen würde.

Ich war noch in der Stadt und sah auch keinen Hinweis auf den Anstieg, als mein Garmin bereits verkündete, daß ich jetzt auf 13,5 Kilometern 920 Höhenmeter zu bewältigen hätte. So machte ich mich daran den Col de la Madone zu bezwingen. Dieses war einer der Berge, die ich unbedingt gefahren haben wollte. Lance Armstrong ist zwar nicht mein Vorbild, aber es hiess, dass dieses einer seiner liebsten Trainingsberge gewesen sein soll. Im Stillen hoffte ich auch darauf den einen oder anderen Profi am Berg zu sehen. Nachdem ich die ersten Kilometer geschafft hatte wurde der Verkehr deutlich weniger und ich hatte den Berg fast für mich alleine. Nahe der Hälfte des Anstiegs sah ich jemanden langsam von hinten kommen und mir wurde klar, dass ich demnächst überholt werden würde. Ich spürte jetzt auch die Anstrengung vom Col d’Eze und konnte die dort erbrachte Leistung nicht mehr auf die Straße bringen. In dem Moment, als ich überholte wurde, machte ich auch eine Pause für ein Foto. So konnte ich mir etwas einreden, dass ich es wohl noch länger geschafft hätte gegenzuhalten. Auf der anderen Seite kam ich so nicht in Versuchung zu überziehen, indem ich versuchte an dem anderen dran zu bleiben. Der Anstieg zog sich auch ziemlich, auch wenn die Aussicht immer wieder toll war!

Etwas Sorge bereiten mir die Wolken, die ich weiter oben sah. Für den Nachmittag waren Gewitter angesagt und ich ging bereits davon aus, in der Abfahrt auf der anderen Seite naß zu werden. Endlich kam ich am Gipfel an. Von der anderen kamen ein Vater mit seiner Tochter  gerade hoch und eine junge Frau kam kurz nach mir ebenfalls auf dem Pass an. Diese hätte mich mit Sicherheit überholt, so austrainiert wie sie war. Aber einen Gruß oder ein lächeln hatte sie nicht übrig.

Positiv angetan war ich von der Situation, dass auf der Rückseite des Bergs die Sonne schien. So freute ich mich auf eine trockene Abfahrt und gute Sicht. Nach ein paar Kilometern kam ich in das Örtchen Peille. Dieses soll eines der schönsten Dörfer in ganz Frankreich sein. So richtig in den Ort fuhr ich allerdings nicht, doch konnte ich meine Wasserflaschen auffüllen und einen Riegel zur Stärkung nehmen. Ich war gerade mit dem Auffüllen meiner Flaschen fertig, als zwei Frauen an dem Brunnen ankamen, die mir auf meiner Abfahrt nach Menton entgegen gekommen waren. Sie nahmen allerdings gar keine Notiz von mir und hatten mich vorhin wohl auch nicht wahrgenommen. So machte ich mich wieder auf den Weg. Im Grunde stand jetzt auch noch nur ein Anstieg an. Hinter Peille kam mir noch ein Rennradfahrer im Trikot von Red Bull entgegen. Aufgrund der Geschwindigkeit und der Figur des Fahrers vermutete ich, dass er zum Proteam gehörte. Erkannt habe ich ihn aber nicht.

Es ging den Abstecher nach Peillon hoch. Dieses kleine Bergdorf war bei quäldich als sehr lohnenswerter Abstecher aufgeführt worden und machte ich mich an den 3Kilometer langen Anstieg. Es freute mich, dass ich jetzt wieder, wie am Col d’Eze, richtig mit Druck und guter Frequenz fahren konnte. Da der Anstieg nicht allzu lang war und danach nichts nennenswertes mehr anstand, drückte ich auch die gesamte Zeit richtig rein. Der Ort selbst war sehr malerisch und sah aus, wie an den Hang geklebt.  Ich machte noch eine kurze Pause, aß meinen zweiten Riegel und nutze die Gelegenheit meine Wasserflaschen aufzufüllen. Dann ging es runter nach Nizza.

Ich hatte gar kein Gefühl dafür, wie lange es dauern würde. Aber da es leicht bergab ging konnte ich es gut laufen lassen. In Nizza kam ich wieder am Hafen vorbei. Hier sollte auch der Radladen Cafe du Cycliste sein. Von diesem hatte ich mir bereits einige Kleidung gekauft, da diese sehr stylisch war. Draußen war kein Schild von dem Laden zu erkennen, aber ich sah Radklamotten im Schaufenster. So ging ich rein, war dann aber sehr enttäuscht. Kaum Kleidung und der Laden wirkte trotz einer großen Kaffeetheke alles andere als einladend. So lief ich einmal durch und  ging wieder. Lustigerweise kamen in dem Moment die beiden Frauen, die ich in Peille gesehen hatte am Laden an. Sie waren die Strecke wohl entgegengesetzt gefahren. An der Promenade angekommen sah ich dunkle Wolken in den Bergen. Ich drückte etwas mehr auf die Tube, da ich nicht noch nass werden wollte. Da ich auch noch etwas Rückenwind hatte, legte ich die Strecke von Nizza nach Cagne-sur-Mer recht schnell zurück.

Beim Hochtragen des Rads merkte ich, dass ich schon wieder eine Panne gehabt hatte. Diese musste gerade erst passiert sein, da die Dichtmilch noch feucht war. Auch hatte diese das Loch nicht wirklich abgedichtet. Der Reifen hatte nur noch 1-2 Bar.  Ich hatte allerdings nach der letzten Panne auch keine Dichtmilch nachgefüllt. So stand also noch Putzen und vor allem der Versuch den Reifen wieder dicht zu bekommen auf dem Programm. So füllte ich Milch nach und erhöhte den Druck in Reifen, um zu sehen, ob die Luft hielt. Es sah gut aus und ich erhöhte den Druck weiter und ging dann erst einmal einkaufen, da meine Essensvorräte zur Neige gegangen waren. Als ich zurück kam sah der Reifen immer noch gut aus. Doch so richtig Ruhe ließ es mir nicht und ich machte dann noch eine kurze Testfahrt an der Promenade, um zu sehen, ob der Reifen auch dicht blieb, wenn ich auf dem Renner saß! Doch der Reifen hielt dicht.