Slowenien - Tag 4 - Monte Matajur
Gestern hatten wir uns für eine sehr lustige Raftingtour auf die Soca gewagt. Der Fluss führte zwar nicht allzu viel Wasser und die „Stromschnellen“ waren doch überschaubar gewesen. Doch hatten wir viel Spaß und der Blick vom Wasser auf die Berge war dann doch wieder ein anderer.
Leider hatten die ersten beiden Touren bei Frank dazu geführt, dass er Probleme mit seinem Knie bekommen hatte und doch noch lieber einen Tag aussetzen wollte. Wir diskutierten, welche Strecke wir fahren sollten, damit er vielleicht mit dem Auto irgendwo zu uns stoßen könnte. Als beste Option kamen wir dabei auf die Strecke zum Monte Matajur. Wir wollten Frank zu Beginn des langen Anstiegs Bescheid geben und er könnte dann mit dem Auto zum Gipfel fahren und uns dort oben treffen.
Die ersten 50 Kilometer ging es immer licht bergab und wir rollten sehr entspannt vor uns hin. Nach den ersten Kilometern auf der Hauptstraße in Richtung Kobarid wurde der Verkehr auch immer weniger und wir genossen die Landschaft. Ich war diese Strecke vor 11 Jahren gefahren und stellte fest, dass im Fluss, an dem wir entlangfuhren, deutlich weniger Wasser war als damals. Der Klimawandel machte sich auch hier nachhaltig bemerkbar.
Der erste Trinkstopp, den ich geplant hatte, stellte sich aber als Falschmeldung heraus. Nach einigem Suchen fand Fayek den Brunnen, doch dieser war abgestellt und kein Trinkwasser verfügbar. Ich spekulierte aber darauf, dass im nächsten Ort doch wieder ein Brunnen war und so kam es auch. Dieses passte umso besser, da der Brunnen kurz vor Beginn unseres langen Anstiegs hoch zum Matajur war. Die Pause kam uns also sehr gelegen. Wir schrieben Frank, wo wir gerade waren, und dann ging es los. Jetzt hieß es auf 11,8 Kilometern 1072 Höhenmeter zu bezwingen. Schnell setzte ich mich von Fayek ab, da mein Tempo ein wenig höher war als seins. Es ging durch den Wald, was zwar die Aussicht in die Landschaft verhinderte, dafür waren wir aber im Schatten unterwegs. Immerhin waren wir bei Temperaturen knapp unter der 30 Grad Marke unterwegs. Nach einem längeren geraden Stück ging es in eine Reihe von Serpentinen. Kehre folgte auf Kehre. Es gab dabei leider keine Flachpassagen, doch die Abwechslung immer bis zur nächsten Kurve zu fahren machte die Fahrt kurzweilig. Dann erreichte ich Stermizza, einen kleinen Ort am Berg. Ich spürte bereits die Anstrengung und laut dem Tacho hatte ich immer noch fast 8 Kilometer Anstieg. Doch teilte ich mir dieses in kleinere Abschnitte ein um meine Motivation zu stärken. Mein nächstes Ziel hieß Monte Maggiore. Das Dorf, an dem die Stichstraße hoch zum Gipfel los ging. Nach und nach kam ich diesem Ziel immer näher. Ich schaute dabei immer mal wieder zurück, ob ich Fayek irgendwo sehen konnte, aber da war nichts. Ich war ihm wohl weiter enteilt, als ich erwartet hatte. In Monte Maggiore hatte ich nun zwei Optionen. Zum einen der Streckenplanung folgen, die über ein Steilstück von ca. 20% in den Schlußanstieg führte oder einen kleinen Umweg durch das Dorf zu machen und so über den Hauptweg in den Anstieg zu gehen, den ich noch von meiner Erstbefahrung kannte. Nun war ich hin und her gerissen. Zum einen war mir klar, dass Fayek die Streckenführung nehmen würde, und ich wollte mich gerne mit ihm vergleichen. Zum anderen wollte ich meine Zeit auch gerne mit der vor 11 Jahren vergleichen und da war ich den Hauptweg gefahren. Ich entschied mich für den Hauptweg, der zwar nicht 20% steil war, aber doch auch Steigungen von 15% verzeichnete. Nun lagen noch knapp 4km mit 10% Steigung vor mir. Es wurde mehr eine rage des Willens, denn aufgrund der nachlassenden Kräfte machte der Anstieg doch nicht mehr wirklich Spaß. Ich hatte im Kopf noch eine lange Gerade fahren zu müssen, doch gefühlt kam und kam diese nicht. Dann war sie da und ich kämpfte mich voran, indem Wissen, dass es nicht mehr so weit war. Immer wieder horchte ich, ob Frank mit dem Auto an mir vorbeifahren würde. Ich hatte eigentlich mit ihm schon auf der Hälfte des Anstiegs gerechnet, doch war nicht von ihm zu sehen. Endlich sah ich das Refugio vor mir. Noch ein paar Meter geradeaus, um den Anstieg im Garmin abzuschließen, dann hinauf zum Refugio. Hier war damals nichts gewesen und ich war sehr froh, jetzt eine Pausenstation zu haben. Ich stellte mein Rad ab und beruhigte meinen Puls. Nach und nach fühlte ich mich wieder besser. Ich setzte mich an einen Tisch und bestellte mir erstmal einen Kaffee, da ich zum einen noch gar nichts Essen konnte, zum anderen aber dafür auch auf Fayek warten wollte. Immer wieder schaute ich den Hang hinab, ob ich ihn kommen sehen würde. Es kam mir auch so vor, als ob ich von hier aus das Mittelmeer sehen könnte. Leider war es doch etwas frisch und ich bedauerte nicht meine Windjacke mitgenommen zu haben. Dann sah ich Fayek, er kämpfte sich auch nach oben und hatte es dann geschafft. Er war der Streckenführung gefolgt und gab zu bei den 20% kurz ein paar Meter geschoben zu haben. Auch er brauchte erstmal etwas Zeit sich zu erholen. Wir bestellten uns Getränke und es etwas zu Essen und warteten darauf, dass Frank ankäme. Ein paar Gedanken machte ich mir schon, ob das Auto noch heil war, oder er irgendwo in einen Unfall verwickelt war. Ich versuchte es mal mit einem Anruf, doch hatte ich leider kein Netz. Später war Fayek erfolgreich und Frank teilte uns mit, dass er irgendwo wohl falsch abgebogen war und auf einem Schotterweg zum Halt gekommen war. Er hatte dann entschieden wieder zurück zur Wohnung zu fahren.
Fayek und ich machten uns dann wieder auf den Weg. Uns war doch etwas kalt geworden und in der Abfahrt wurde uns auch noch nicht so richtig warm. Doch je weiter wir abfuhren, desto wärmer wurde es und nach den ersten Wellen war uns dann auch wieder warm. Die Landschaft war abwechslungsreich und wir sogen die Landschaft in uns auf. SO rollten wir weiter nach Kobarid und von dort waren wir auf bekanntem Terrain unterwegs. Hinter Kobarid wichen wir erneut auf den kleinen Nebenweg aus, auch wenn es hieß am Ende noch eine richtige Rampe nehmen zu müssen. Die Hauptstraße war dann halbwegs ok und es stand nur noch der letzte Anstieg zum Ort an. Fayek wollte ganz ruhig machen, ich sah etwas weiter vorne noch einen anderen Rennradfahrer und dachte mir den kriege ich noch. Doch das war nichts, wenige Meter nach Beginn der Steigung spürte ich einen Krampf im linken Bein und musste anhalten. Mir war klar, wenn ich jetzt mit Gewalt durchdrückte, würden beide Beine innerhalb kürzester Zeit komplett zu machen. So blieb ich stehen, trank etwas und versuchte mein Bein zu lockern. Fayek fuhr an mir vorbei und ich hatte auch keine Chance mehr zu ihm aufzuschließen. Oben fuhren wir gemeinsam weiter zurück zur Wohnung und waren ganz stolz diese anstrengende Tour hinter uns gebracht zu haben. In meiner späteren Analyse ermittelte ich dann, dass ich den Anstieg tatsächlich rund 7 Minuten schneller gefahren war als vor 11 Jahren😊









