Nizza 2026 - Tag 5 - Cannes

Heute stand Erholung an, also was ich so Erholung nenne, denn so ganz ohne radeln geht bei mir auf solchen Fahrten nicht. Da habe ich immer das Gefühl etwas zu verpassen.

So stand also eine kürzere und leichtere Tour auf dem Programm. Ich wollte die Küste entlang über Antibes nach Cannes fahren und dann über das Hinterland zurück. Dem morgendlichen Ritual folgend ging ich aber erst einen Kaffee und ein Pan au Chocolat frühstücken. Leider wurde dieses etwas verleidet, da doch viele Franzosen bei ihrem morgendlichen Kaffee rauchen müssen und der Gestank ist einfach nicht schön. Gegen 8:15Uhr saß ich auf dem Rad und fuhr los. Da ich heute meine Beine nicht so sehr belasten wollte ließ ich es auch locker angehen und fuhr ganz entspannt die Promenade entlang in Richtung Antibes.

Schon von weitem konnte ich die großen Jachten sehen, die sich vor dem Hafen tummelten. Es sah fast aus wie eine Armada. Meine Strecke führte mich direkt auf einer Uferpromenade am Picasso Museum vorbei. Hier war ich in den 90er Jahren mal gewesen, allerdings nicht mit dem Rad. Der Ort wirkte sehr idyllisch und ich könnte mir gut vorstellen hier zu leben. Der folgende Ort Cap d’Antibes ist wirklich der Ort der Reichen, überall waren große Häuser hinter Mauern und Zäunen zu erblicken und die ansässigen Hotels sahen nach 5-Sterne plus aus. Doch um hier zu wohnen musste man wohl 2 – 3stellige Millionenvermögen besitzen.  Weiter ging es die Küste entlang und nach dem Cap kam auch schon Cannes in Sicht. Der Abschnitt zwischen Cap d’Antibes und Cannes war recht trostlos. Eine viel befahrene Straße und eine Eisenbahnlinie, da möchte ich nicht wohnen. In Cannes angekommen war direkt viel Trubel zu bemerken. Überall Geschäfte und Lokale. Auf der Hauptstraße war es voll und ich sah jede Menge Leute, die hier wohl zu den Filmfestspielen angereist waren. Im vorbeifahren sah ich an einer Hoteltür, an der viele Leute standen, wie eine junge Frau ihre Haare schüttelte und dann die Treppen hinunterging. Mir kam dieses Gehabe in dem Moment sehr armselig vor, wenn sich jemand so auf die Äußerlichkeiten reduziert. Aber jedem das seine.

Meine Strecke führte mich noch an dem großen Saal vorbei, indem die Preisverleihungen stattfinden und ich machte auch ein Foto davon. So ganz kann ich mich also von den Äußerlichkeiten nicht freisprechen…

Damit war der flache Teil der Strecke vorbei und es sollte ein wenig ins Hinterland gehen. Womit ich nicht gerechnet hatte, war der starke Verkehr und dazu eine doch recht unübersichtliche Streckenführung. Immer wieder musste ich anhalten und genau schauen, wo die Strecke bei den vielen Abzweigungen und Kreisverkehren entlang ging. Dazu kam auch der ein oder andere Anstieg, der meine Konzentration forderte. Positiv muss ich sagen, dass die Franzosen sehr rücksichtsvoll zu den Radfahrern sind. Nie habe ich jemand vor Ungeduld hupen gehört oder mich aggressiv überholt. Ganz im Gegenteil. Meistens ließ man mir die Vorfahrt an engen Passagen und wartete bis ich vorbei war. So etwas würde es in Deutschland nicht geben! Trotzdem machte die Fahrt nicht viel Spaß.

Ich konnte durch die Bäume und Häuser auch leider keinen Blick mehr zurück an die Küste werden. So arbeitete ich mich mehr durch die Strecke, als dass ich sie genoss. Wenigstens kam zum Schluß noch eine lange Abfahrt, auf der ich es gut laufen lassen konnte. Im etwas flacheren Bereich merkte ich aber deutlich den auflandigen Wind, der mich zwischendurch gefühlt fast zum Stehen brachte. Meine Sattelstütze knarzte auch immer wieder, so richtig glücklich bin ich bis dato damit nicht.

Shoppen in Nizza

Schon am Morgen hatte ich mir den Tag so gedacht, dass ich im Anschluß an die Tour noch zum Cafe du Cycliste fahren würden. Ich wollte doch sehen, ob ich nicht im falschen Laden gelandet war. Unterwegs kam mir der Gedanke, dass ich vielleicht erst noch einen Sprung in das Meer machen könnte. Rechtzeitig genug war ich ja zurück. Gedacht, getan und so brachte ich nach der Tour mein Rad aufs Zimmer, zug meine Badehose an und ging hinunter zum Strand. Ich prüfte kurz ob jemand anderes im Wasser war, da ich mir nicht sicher war, ob Baden hier erlaubt war, da ich ein unklares Schild gesehen hatte.

Doch andere Menschen schwammen im Meer und so wollte ich es auch wagen. Der Steinstrand machte es aber zu einem nicht ganz einfachen unterfangen. Die Steine drückten doch sehr und ich eierte ziemlich rum. Dazu kam, dass das Wasser wesentlich kälter war, als ich erwartet hatte. Ich denke mal max 18 Grad. So blieb ich auch  nur kurz drin, setzte mich anschließend auf die Steine und trocknete in der Sonne, die im Gegensatz zum Wasser schön warm war. Nebenbei klärte ich mit Marten noch ein Problem an der PV-Anlage, dann ging ich wieder in die Wohnung.

Jetzt hieß es duschen und dann wieder aufs Rad und nach Nizza radeln. Die Strecke kam mir irgendwie länger vor, als gedacht, was aber wohl am nicht unerheblichen Gegenwind lag. Dann war ich da und fand den Laden. Ich war tatsächlich vor zwei Tagen im falschen Radladen gewesen, der wenige Meter daneben war. Ich schloss mein Rad draußen ab und betrat den Laden. Schnell kam ein Verkäufer auf mich zu und fragte mich etwas. Da mein Französisch nicht ausreichte, fragte ich, ob er Englisch spreche und ansatzlos wechselte er ins Englische. Als erstes meinte er, ob ich mein Rad nicht mit in den Laden nehmen wolle, da es ja doch ein sehr hochwertiges Rad sei. Jetzt sah ich erst, dass im Eingang eine Gelegenheit hierfür geboten war. Schnell holte ich mein Rad rein, da ich mich so auch viel wohler fühlte. Er zeigte mir den Laden und die Kollektionen und was ich wo finden würde. Auch fragte er mich, was ich denn so schon gefahren sei und so fachsimpelten wir über die umstehenden Berge. Er gab mir dabei bzgl. meines heutigen Canneserlebnis völlig recht und meinte in die Richtung würde er nur im Winter fahren, da es sonst kein Spaß mache. Schön, wenn man solche Optionen hat!

Ein Trikot gefiel mir besonders gut und ich schlich darum herum. Doch erst wollte ich den Laden genießen und bestellte einen Kaffee, und genoss den Augenblick. Auf meine Frage, ob sie Dichtmilch verkaufen würden, bot der Verkäufer mir direkt an, einfach welche nachzufüllen. Da hatten wir jedoch ein Missverständnis, da ich ja eine kleine Ersatzflasche haben wollte, denn meine Reifen waren ja aktuell versorgt. Eine kleine Flasche hatten sie leider nicht. Ich probierte noch das entsprechende Trikot an, konnte mich aber nicht durchringen es zu kaufen, da es an mir aussah, als ob mir eine Oberweite wachsen würde. Doch ich fand noch ein anderes Trikot, was nicht ganz so auftrug und erwarb dieses. Zusätzlich bekam ich noch jede Menge Badges für die von mir erklommenen Pässe in der Region. Auf die war ich schon seit geraumer Zeit scharf 😉 Die Rückfahrt verlief deutlich angenehmer, da der Wind etwas schob und so hatte ich dann doch noch einen sehr versöhnlichen zweiten Teil an diesem Tag.