Nizza 2026 - Tag 1 Madone d'Utelle

Die erste Tour stand an! Da ich viel zu faul war selber Frühstück zu machen, ging ich in die nahegelegene Bäckerei und bestellte mir ein Schokocroissant und einen Kaffee. Dieses genoss ich mit dem Blick auf das Mittelmeer, Herz was willst Du mehr!

So kam ich deutlich früher los, als ich ursprünglich geplant hatte, was mir aber sehr Recht war, da ich nicht wusste, wie lange ich wirklich unterwegs sein würde. Der erste Abschnitt lenkte mich durch Nizza, wo doch reichlich Verkehr herrschte. Aber immer wieder sah ich bereits Leute auf Rennrädern, was meine Stimmung noch weiter anhob!

Nachdem ich Nizza verlassen hatte wurde es auch deutlich ruhiger auf der Strasse und ich begann die Fahrt so richtig zu geniessen. Leicht ging es bergauf, wobei es doch recht kühl war und so zog ich mir zwischendurch auch die Windjacke an. Die Landschaft war überwältigend und ich konnte mich gar nicht daran satt sehen. Eigentlich hätte ich am liebsten alle 500Meter ein Foto gemacht, aber ich wollte ja auch vorankommen.  Ich fand einen guten Tritt und meine Beine fühlten sich auch gut an. Hinzukam, dass ich sogar den einen oder anderen Radler überholte. Allerdings hatte ich den Eindruck, dass diese noch ein paar Jahre mehr als ich auf dem Buckel hatten. Nach rund 35Kilometern kam der erste geplante Stop. Eine Bäckerei, bei der ich einen Kaffee und einen Snack einnehmen konnte. Ich saß in der Sonne und genoss es. Es schien sich durchaus um einen lokalen Treff zu handeln, denn prompt hielten vier weitere Radler. Nach einem kurzen Gruß ging es weiter und dann stand auch schon der Anstieg des Tages an.

Es sollten knapp 900hm in 14,5km erklommen werden. Der Anstieg war zwar lang, aber doch recht gleichmäßig, sodaß ich ihn gut fahren konnte, dabei war sehr schön, dass kaum Verkehr herrschte und ich die Auffahrt genießen konnte. Zwischendurch wurde ich sogar von einer Dreiergruppe Frauen angefeuert, die gerade am Berg Pause machten. Immer wieder blieb ich stehen und musste einfach Fotos machen, so schön war die Landschaft. Oben auf dem Madone d’Utelle angekommen, machte ich eine ausgiebige Pause und stärkte mich mit einem meiner Riegel. Es war fantastisch, ich konnte von hier oben das Mittelmeer sehen! Dann ging es in eine längere Abfahrt, an deren Ende mich aber eine Gegensteigung von rund 3km und knapp 300hm erwartete. Da ich diese gut bewältigen konnte, war ich dann doch sicher die richtige Übersetzung gewählt zu haben und hatte auch eine gewisse Zuversicht, die Schleife am Turini in ein paar Tagen schaffen zu können. Nach dieser Steigung ging es wieder bergab. Ich hielt noch in einem kleinen Dorf und füllte meine Wasserflaschen.

Dann kam die große Überraschung! Ich kam zu einer Kreuzung, an der die Strasse durch einen großen Tunnel führte, der für Radfahrer gesperrt war. Die Strecke, die ich bei Garmin geplant hatte, konnte ich aber auch nicht fahren, da diese eine Einbahnstraße war und die Autos dort mit 100- 120km/h mir entgegen kamen. Ich probierte es zwar ein Stück, aber die Autos reagierten sehr aufgeregt. So machte ich wieder kehrt und ging die Fahrt durch den Tunnel an. Wirklich wohl fühlte ich mich nicht dabei und trat ordentlich in die Pedale. Im Grunde war ich auf einer Schnellstraße unterwegs. Gott sei Dank ging alles gut und ich konnte nach ca. 4km wieder auf meine eigentliche Stecke wechseln, aber das ungute Gefühl hing mir noch eine ganze Weile nach.

Dann stand der letzte Anstieg an. Dieser war nicht so schwer, zog sich aber auch über mehrere Kilometer. Schön war dabei, dass er nochmal abseits der großen Verkehrswege war und es dadurch ziemlich ruhig war. In der anschließenden Abfahrt verpasste ich die richtige Abzweigung. Der Garmin hatte mir aber erstaunlich schnell eine Alternative erzeugt, die mich auf die eigentliche Strecke zurückbringen sollte. Dabei ging es erst noch etwas bergab, was meiner Erwartung entsprach, dann hieß es aber plötzlich bergauf und ich sah die Straße sich vor mir in den Himmel auftürmen. Selbst auf dem kleinsten Gang konnte ich nur mit sehr viel Kraft die Kurbel drehen. Ich hatte starken Sorgen es nicht mehr zu schaffen und bei der Steigung wäre ich nicht aus den Pedalen gekommen. Doch irgendwie schaffte ich es. Später sah ich bei Strava, daß der Abschnitt bis zu 30% hatte. Eine solche Steigung hatte ich noch nie bewältigt! Der restliche Weg ging zwar mehr bergab, aber es zog sich doch und ich war dann doch ganz schön geschafft, als ich an der Wohnung ankam. Ich setzte mich erst einmal auf eine Bank und erholte mich bei einem Blick auf das Meer!

Im Nachgang gab es dann noch leckeres Baguette, etwas Rotwein und einen entspannten Film. Für einen Reisebericht hatte ich aber an diesem Abend keine Energie mehr. Ich kontrollierte aber erst noch alle meine Strecken, ob ich an dem unseligen Tunnel nochmal entlang musste. Dieses war, Gott sei Dank, nicht der Fall.

Da meine Sattelstütze doch mehr knarzte und die Schaltung nicht richtig rund lief machte ich mich daran beides noch zu überarbeiten. Sehr überrascht stellte ich dabei fest, dass ich mir im Laufe des Tages irgendwann ein kleines Loch eingefahren haben musste, denn mein Rahmen war mit Dichtmilch bekleckert. Gemerkt hatte ich nichts davon und der Druck im Reifen war auch noch ziemlich gut. Doch saubermachen war dann doch noch angesagt