
2024 Schwarzwald Tag 1 - Brandenkopf
Nachdem ich am vorigen Abend die Strecke nochmal durchgegangen war, fühlte ich mich ganz gut gerüstet. Das Wetter empfing mich allerdings nicht mit Sonnenschein, sondern leichtem Regen. Da es laut der Wettervorhersage gegen 09 Uhr abtrocknen sollte entschied ich mich auch dann erst zu starten. Der Tag versprach zumindest nicht zu kalt zu werden, so dass ich mich für Armlinge, aber kurze Hose entschied. Dieses bereute ich die gesamte Tour nicht.
Nach einem kleinen Einrollen, stand ich auch schon vor dem ersten Problem, da die Brücke, die ich nutzen wollte gesperrt war. Ich fand aber einen kleinen „Schleichweg“, der mich über die Brücke brachte, wenn auch mit Schotter und Kopfsteinpflaster.
Dann ging es in den ersten Anstieg. Meine Beine fühlten sich ganz gut an und ich fand einen runden Tritt. In dem Moment war ich doch ganz froh alleine zu sein. So kam ich nicht in die Versuchung über meine Verhältnisse zu fahren, wozu ich ja doch immer wieder neige, wenn ich mit den anderen unterwegs bin.
Die Landschaft war schon recht schön, zumal sich sogar die Sonne hin und wieder blicken ließ. Die Straße war super asphaltiert und die Anzahl der Autos eher gering. So macht radeln Spaß! Nachdem ich ca. 2/3 des Anstiegs geschafft hatte, verwirrte mich das Navi etwas und ich fuhr einen Abschnitt, der auch noch steil war zweimal rauf und runter, bis mir klar war, wo es lang ging. Wenigstens bewahrheitete sich meine größte Sorge nicht. Ich konnte mit meinen Linsen die Karte auf dem Radcomputer soweit erkennen, dass ich dem Track folgen konnte. Dann kam die große Überraschung! Mitten im Wald, war die Straße plötzlich wegen Baumfällarbeiten gesperrt und es stand sehr deutlich geschrieben, dass dieses auch für Radfahrer galt.
Während ich noch überlegte, ob ich es nicht doch probieren sollte, stürzte ein etwa 20 Meter hoher Baum krachend um und landete mitten auf der Straße. Damit war klar, dass hier nicht weiter ging.
Jetzt war guter Rat teuer. Auf dem Radcomputer konnte ich keine Alternative in der Nähe finden und mein Handy hatte keinen Empfang. Ich probierte noch zwei Abzweigungen aus, doch landete ich entweder nur auf einem Hof oder auf einem Waldweg. So hieß es den Anstieg wieder herunter zu fahren. Unterwegs fragte ich noch eine junge Frau, ob sie einen Weg wüsste, doch es blieb leider nur der Weg über die befahrenere Straße.
Ich stieß dann auch recht bald wieder auf meine geplante strecke, wollte aber nicht derart abkürzen. Schließlich war ich ja hier um Berge zu fahren. So beschloss ich meine Strecke zumindest ein Stück weite in entgegen gesetzter Richtung zu folgen. So erklomm ich eine Steigung zum Löcherberg, die ich nur herunter gefahren wäre. Auf der anderen Seite fuhr ich noch runter bis Nordrach, der Ort, den ich sonst von der anderen Seite erreicht hätte. Den Gegenanstieg nahm ich nicht mehr in Angriff, da ich mir dachte jetzt genug alternative Höhenmeter gemacht zu haben. Ich Nordrach machte ich noch eine kleine Pause mit einem Riegel. Da meine Flaschen schon recht leer waren sprach ich eine Frau an, die mit ihren Kindern im Garten spielte. Ich fragte, ob es in der Nähe einen öffentlichen Trinkwasserbrunnen gäbe, was sie verneinte. Doch bat sie mir im Gegenzug an meine Trinkflaschen aufzufüllen, was ich gerne annahm.
Dann ging es wieder hinauf. Bei der Abfahrt hatte ich ein paar steile Abschnitte gesehen, die mir bergauf, aber erstaunlicher Weise gar nicht mehr so auffielen. Ehe ich mich versah (nach ca. 45 min 😉) war ich wieder auf dem Pass. Da viel der Strecke im Wald verlief, war mir doch etwas frisch und ich zog die Armlinge zur Abfahrt wieder über, was sehr angenehm war.
Nach all dem hin und her war ich wieder auf meine ursprüngliche Strecke. So wie ich die Strecke im Kopf hatte, hieß es jetzt nur noch den Anstieg zum Brandenkopf und eine lange Abfahrt nach Hause. Der Anstieg hatte aber auch in sich. Immer wieder ging es in die zweistelligen Prozentbereiche und dann auch gleich 12-15 %. Bisher hatte ich es vermieden meinen Rettungsring zu nutzen, doch jetzt machte ich davon Gebrauch und mit 34-34 ging es etwas flüssiger den Anstieg hoch, wenn es doch trotzdem sehr hart war. Ich spürte die bereits gefahrenen Kilometer und vor allem Höhenmeter doch schon ganz deutlich. Besonders die letzten drei Kilometer gingen richtig in die Beine. Doch zu guter Letzt schaffte ich es doch. Leider war die Hütte oben geschlossen. Dieses hatte ich nicht so im Internet gesehen. Jetzt gab es leider keine Gelegenheit mehr die recht leeren Flaschen wieder aufzufüllen.
Ich prüfte bei einem Fotostopp nochmal wie lange es denn noch wäre und musste schweren Herzens feststellen, dass ich einen Anstieg von 6 km und 460 hm übersehen hatte. Da hatte ich also doch noch einen richtigen Brocken vor mir. Der Anstieg ging auch echt in die Beine. Zwischendurch musste ich auch in den Graben ausweichen, da ein Holzalster der Meinung war, Platz sollen die anderen machen. Auch insgesamt hatte ich den Eindruck, dass die Autofahrer nicht wirklich Rücksicht auf Radfahrer nahmen, sondern einfach vorbei bretterten. Da war ich doch etwas überrascht.
Oben am Pass waren dann meine Flaschen auch leer und es fing sogar noch leicht an zu regnen. Naja, jetzt ging es wirklich nur noch bergab und allzu lange hielt der Regen auch nicht an.
Die letzte Rampe hinauf zur Wohnung hieß es nochmal mit Anstand zu nehmen, was mir auch gelang. So waren aus 105 km und 2800hm jetzt 135km und 3067 hm geworden. Aber Morgen wird ein leichterer Tag (hoffentlich…)

















