Großglockner 2018
Die Vorbereitung
Ein lang gehegter Wunsch sollte in diesem Jahr in Erfüllung gehen. Ich wollte unseren Sommerurlaub in Österreich dazu nutzen den Großglockner mit dem Rad zu erklimmen. Im letzten Jahr scheiterte der Versuch daran, dass ich kurz vor unserem Urlaub meinen Sturz beim Velothon hatte und somit radfahren für den Sommer ausviel. Doch dieses Jahr sah es gut aus und es musste auch so sein, da wir für die kommenden Jahre unseren Sommerurlaub nciht in der Nähe des Großglockner verbringen wollen.
Frühzeitig meldete ich den Wunsch an, neben meinem Mountainbike auch das Rennrad mit in den Urlaub zu nehmen, da eine Befahrung mit dem Mountain Bike für mich nicht in Frage kam (mit den Gängen kann das ja jeder…) ich schaute mir im Vorfeld immer wieder das Steigungsprofil an und spielte im Geiste die Befahrung durch. Leider gab es für mein Indoorprogramm keine Befahrung an der ich über den Winter üben konnte, wie ich dieses im vergangen Jahr für den Mt Ventoux gemacht hatte.
Da ich nicht den gesamten Tag das Auto blockieren wollte spielte ich mit der Idee direkt von Großarl aus loszufahren. Allerdings schreckte mich dabei schon die Anfahrt von ca. 50km, bevor es überhaupt in die erste Steigung gehen sollte. Zurück würde man dann schon irgendwie schaffen. Mein Anliegen diskutierte ich mit Mariano, unserem Hotelier. Er riet mir dringend davon ab, da die Anfahrt auf einer Bundesstrasse mit viel Verkehr und ohne Randstreifen durchzuführen wäre. Gleiches bestätigte mir auch ein andere Gast, der den Berg schon erklommen hatte. Er schlug außerdem vor, anstelle der langen Anreise neben dem Anstieg zum Hochtor auf der anderen Seite noch die Kaiser Franz-Josephs Höhe zu bewältigen, da man von dort einen sehr schönen Blick den Gletscher des Großglockner hätte.
Nichts destotrotz suchte ich mir einen passenden Tag im Urlaub aus und plante eine lange Radtour. Ich testete im Tal auch schno mal den ersten Anstieg und kam zu dem Schluss, dass doch machbar wäre.
Etwas überraschend erklärte mir Stefan, dass er durchaus bereit wäre mich Morgens nach Bruck zu fahren. So plante unsere beiden Familien einen langen Besuch im Freizeitpark an der Mautstation bei Fusch mit einer späten Anreise. Ich würde mit entsprechendem Vorsprung mich auf den Weg zum Gipfel machen und am Nachmittag zu den anderen stoßen, wo ich mein Rad im Kofferraum unterbringen konnte und wir alle gemeinsam wieder nach Hause fahren konnten.
Fuschertörl
So fuhren Stefan und ich am frühen Morgen gegen 06:30 Uhr Richtung Bruck. Glücklicherweise war an der Ausfahrt zum Tal ein Supermarkt mit entsprechendem Parkplatz, so daß ich in Ruhe meine Sachen aus dem Auto holen konnte und ich mich bereit machte für die große Tour.
Die Anfahrt von Bruck bis zur Mautstation ging mir leider nicht locker von den Beinen. Die große Wanderung vom Vortag steckte mir doch mehr in den Beinen als mir lieb war, doch kurbelte ich tapfer weiter. An der Mautstation waren bereits der ein oder andere Radler in Startpostion und machte sich ebenfalls auf den Weg. Zur Steigerung der Motivation trug bei, dass ich recht früh ein paar Mountainbiker überholen konnte, die mit sehr kleinem Gang in Richtung Gipfel kurbelten. Überholt wurde ich auch und auch gleich in einem Tempo, welches nicht erlaubte sich vielleicht dranzuhängen. Gleich zu Anfang hatte ich auch noch ein technisches Problem. Mir sprang die Kette vom größten Ritzel hinten ab und ließ mich ins Leere treten. Somit war ein fahren im Stehen und anschließendes hochschalten nicht möglich. Immerhin konnte ich im Sitzen auf das größte Ritzel schalten, denn die Bergübersetzung von 36-32 war dringend notwendig!
Die Landschaft war überwältigend. Ich hatte wunderschöne Blicke auf die Berge und hinunter ins Tal. Da ich immer wieder auf gleichgesinnte traf, wenn auch mit dem Moutain Bike hatte ich immer wieder Ziele an die ich mich heranarbeiten konnte. Erholungsphasen waren eher selten und zumeist nur mal kurz in der Kurve.
Nach gut 1 1/2 Stunden konnte ich das Ziel bereits sehen und dann erblickte ich auch einen anderen Rennradfahrer, der mich ziemlich zu Anfang überholt hatte. Es sah so aus, als ob ich ihn noch einholen könnte. Ich versuchte noch etwas zu beschleunigen. Leider machte ich dann einen Schaltfehler, der dafür sorgte, dass mir die Kette absprang und ich ins Leere drehte. Das Geichgewicht war dahin und ich schaffte es auch nicht mehr aus der Pedale zu kommen und viel wie ein nasser Sack auf die Seite. Dieses war zum einen hochgradig peinlich und zum anderen war damit die Chance dahin zu dem anderen Radler noch aufzuschließen. Gott sei Dank war am Rad alles heile geblieben und ich hatte mir selbst auch nciht wirklich weh getan. Allerdings dauerte es einige Zeit, bis ich die Kette wieder ordentlich aufgezogen hatte und weiterfahren konnte. Den restlichen Weg zum Fuscherltörl nahm ich dann wieder in meinem eigenen Rhytmus.
Hochtor
Nach einigen Bildern, von mir der Umgebung und dem Passschild hörchte ich etwas in mich rein und beschloss tatsächlich auch den Weg zur Franz-Josephs Hütte anzugehen. Ich nutze die Gelegenheit nochmal meine Blase zu erleichtern und machte mcih auf den Weg. Auf der Rückseite des Berges war gleich viel weniger los und man konnte in der kargen Landschaft recht weit blicken. Erst in der Zwischenabfahrt wurde mir klar, dass ich erst einmal noch zum Hochtor musste, bevor ich mich in Richtung Franz-Josephs Hütte auf den Weg machen konnte. Bei dem Anstieg dorthin
hatte ich das Ziel immer vor Augen und kam auch bald am Hochtor an, welches etwas unspäktakulär ausviel. Der Tunnel war zwaz nicht lang, aber dafür recht dunkel und ich war froh auf der anderen Seite heil herauszukommen. Dort schaute ich erst enmal in der Gegend herum, ob ich die Franz-Josephs Höhe sehe könnte.
Franz-Josephs Hütte
Ich sah auch einen Anstieg, zum dem sich eine ziemlich schmale Strasse hinaufwand. Es stellte sich aber beim näherkommen heraus, dass es sich um einen Forstweg handelte und es nicht die Franz-Josephs Hütte war. So setzte ich meine Abfahrt weiter fort, immer in dem Wissen, dass ich jeden Meter, den ich hinab rollte auch wieder hinauffahren würde müssen. ich hielt dann auch irgendwann recht zweifelnd an und versuchte mittels Google Maps herauszubekommen, wo genau ich war und wieweit ich noch hinunterfahren müsste, bis es zum Anstieg zur Franz-Josephs Hütte gehen würde. So erkannte ich, dass nicht mehr weit war und setzte meine Fahrt fort. Die Vegetation hatte sich gegenüber der kahlen Landschaft am Hochtor komplett geändert. Es war war und überall reichlich Bäume. Der Anstieg zur Frans-Josephs Hütte war dann auch nochmal richtig anstregend und steil . Gerade die letzten zwei Kilometer liessen mich an mein Limit gehen. Kurz vor Schluss wurde ich von einem Parkplatzeinweiser nochmal angefeuert und ich erreichte mein Ziel. Die Hütte ist weniger eine Hütte, als ein voll erschlossenes Touristenzentrum mit Tiefgarage, Seilbahn zum Gletscher, Restauant und großem Souvenirladen. Ein richtiger Touristenort. Ich sah auch kaum andere Radfahrer. Der Blick auf den Gletscher war dafür wirklich eindrucksvoll, zumal ich bestes Wetter mit reichlich Sonnenschein hatte!
Der Rückweg
Nach einer ausführlichen Pause, zwei Powerbars und einer Cola ging es zurück. Die ersten 8km durfte ich es schön rollen lassen, dann begann der Anstieg hinauf zum Hochtor. Jetzt spürte ich die Anstregung des Tages doch deutlich und die Trittfrequenz rutschte immer wieder deutlich unter die 60 Umdrehungen pro Minute. Einen Radler mit Gepäck konnte ich trotz allem überholen, was mir wieder etwas Auftrieb gab. Gerne wäre ich zwischendurch in den Wiegetritt gegangen, doch traute ich mich aufgrund meiner Erfahrung und Sturzes auf dem Hinweg nicht dazu. Am Hochtor angekommen legte ich noch eine Pause ein, füllte meine Trinkflaschen an einem Brunnen mit eiskaltem Wasser auf, dann ging es in die letzte Anstrengung vom Hochtor zum Fuscherltörl. Diese letzten Kilometer gaben mir echt den Rest. ich musste zwas nicht absteigen, doch fiel die Frequenz zwischenzeitlich auf unter 40 U/min. An ein beschleunigen oder einen runden Tritt war nciht zu denken. der Akku war einfach alle… Doch am Ende war ich wieder oben. Den Gedanken nochmal 1 1/2 Kilometer mit durchschnittlich 12 – 13% hinauf zur Edelweißspitze zu fahren verwarf ich direkt wieder, zumal ich nicht wusste, ob sich Urte und Marten unten im Tal schon langweilten… Nach einer letzten Pause ging es in die Abfahrt. aus gedachten 40 Minuten wurden dann unr gute 15-20 und das obwohl ich es recht ruhig angehen liess. Mehrmals dachte ich wie es jetzt wäre eine ordentliche Scheibenbremse am Rad zu haben, so wie ich es die letzten Tage beim Mountain Bike schätzen gelernt hatte. Doch ging alles gut und ich erreichte mein Ziel, die Mautstation in Fusch sicher und heil. Nachdem ich mein Rad im Auto verstaut hatte machte ich mir einen gemütlichen Nachmittag mit der Familie und sonnte mich innerlich in dem erreichen des mir gesetzen Ziels !
Am Ende des Tages standen 81km mit 3124 Höhenmeter auf der Uhr!
Teilnehmer:
- Jörn Lutzebäck
Gefahrene Pässe:













































