Erzgebirge 2020

Jetzt war es wirklich so weit und ich machte meine Idee eine Tagestour im Erzgebirge durchzuführen wahr. Mein Rad und meine Klamotten hatte ich bereits am Vorabend verstaut und konnte nach einem Kaffee mich dann auch um kurz vor 6:30 Uhr Sonntagsmorgens ins Auto schwingen. Die Straßen waren recht leer und ich kam sehr gut voran. Selbst die Sonne war noch nicht ganz aufgegangen. Das Wetter meinte es gut mit mir und es sah nach einem schönen sonnigen Tag aus. Um an meinem geplanten Startort zu gelangen hatte ich ca 2 1/2 Stunden eingeplant, benötigte aber auch aufgrund der guten Verkehrslage nur knapp 2 Stunden.

Auf den letzte 5 Kilometern wurde es richtig wellig und ich hoffte hier heute nicht lang zu müssen… In Bad Gottleuba angekommen suchte ich den Parkplatz bei Lidl auf. Dort wäre ich allerdings das einzige Auto auf dem Parkplatz gewesen und ein Schild, dass das Parken Sontags dort nicht erlaubt war machte mich etwas nervös. Ich hatte keine Lust von einer langen Tour zurückzukommen, um festzustellen , dass das Auto abgeschleppt worden war. Glücklicherweise hatte ich wenige Hundert Meter vorher einen öffentlichen Parkplatz gesehen, auf dem diverse Auto standen. So wendete ich und fuhr dorthin und startete meine Tour vor dort aus. . Umziehen und fahrbereit machen ging recht flott, so dass ich um 09 Uhr auf dem Rad saß. Nach der ersten 300m musste ich aber wieder umkehren, da ich meine Kreditkarte und meinen Ausweis vergessen hatte. Immerhin wollte ich Deutschland ja verlassen und zwischenzeitlich in Tschechien unterwegs sein.  So startete ich erneut und es ging auch gleich in den ersten Anstieg. Meine Beine fühlten sich ziemlich gut an, ich nahm mich aber bewusst etwas zurück und fuhr eher den kleineren Gang. Immerhin standen rund 3000 Höhenmeter auf dem Programm und ich wollte mir meine Kräfte einteilen. Nach rund 2 Kilometern musste ich feststellen, dass ich den Garmin gar nicht gestartet hatte. Kurz überlegte ich noch wieder umzukehren und die Steigung erneut zu fahren, doch dachte ich mir dann, dass ich dieses ja vielleicht auch am Ende der Tour machen könnte. Der Tacho zeigte mir, dass ich an diesem Tag 17 Anstiege zu bewältigen hatte, was auf der einen Seite sehr anstrengend klang, aber auf der anderen Seite genau das war, weshalb ich heute hier war!

Nach 4 1/2 Kilometern erreichte ich auch schon die tschechische Grenze. Mehr als ein Schild war aber auch nicht zu sehen. Allerdings befanden sich jenseits der Grenze direkt jede Menge Shops, die mit günstigen Angeboten warben. Sie schienen auch Sonntag um diese Uhrzeit offen zu haben, denn ich sah einige Autos davor stehen. Die Straßen waren gut und es ging bald auf eine kleine Nebenstraße in der ich ganz führ mich alleine war. Es folgte eine sehr kurze Abfahrt mit rund 12% in einen Tobel und ich befürchtete schon auf der anderen Seite ebenso steil wieder hinauf zu müssen. Dieses war Gott sei dank nicht so und ich konnte mit meinem Gang gut hochkurbeln. Nach einer kurzen Fahrt auf dem Plateau ging es in die erste längere Abfahrt. 

Jetzt ging es über gute asphaltierte Straßen weiter durch Tschechien. Außer an den Straßenschildern merkte ich nicht wirklich, dass ich mich nicht mehr in Deutschland aufhielt. Es hätte genauso gut auf der anderen Seite der Grenze sein können. Nach ein paar Kilometern entspannter Abfahrt und flachem Terrain ging es dann aber richtig bergauf. Die Steigungsanzeige kletterte in den zweistelligen Bereich und die Wattwerte schnellten ebenfalls nach oben. Doch fand ich einen halbwegs runden Tritt. Unten am Berg hatte sich jemand hinter mich gesetzt, doch konnte ich ihn etwas abschütteln, was meiner Motivation natürlich gut tat. Er näherte sich mich erneute, doch wurde dann auch gerade die Straße wieder etwas flacher und ich konnte an Tempo zulegen. Die Strecke selbst war sehr gut und nach einer Weile näherte ich mich dem Abzweig zur Skiarena Krupka. 

Dort legte ich eine Pause ein, um mich von der Anstrengung zu erholen. Da ich aber keine tschechische Währung dabei hatte konnte ich mir leider nichts am vorhandenen Job erwerben. So blieb es bei Wasser und Energieriegel. Es waren doch eine ganze Menge Touristen auf dem Berg und genossen die Aussicht. W

Weiter ging es über welliges Terrain und ich hatte noch nie so viele Pilzsammler gesehen wie in der nächsten Stunde. An jeder Ecke parkten Autos und Menschen mit Körben waren unterwegs in den Wald oder kamen gerade heraus. 

Dann ging es auf breiter Straße wieder nach unten und in Richtung des zweiten Anstiegs, den ich mir ausgesucht hatte. Dieser war nicht ganz so steil, wie der Erste dafür aber länger. ich merkte bereits die Anstrengung der bisherigen Fahrt, konnte aber noch halbwegs und treten. Am Ende der Steigung kam ich wieder an die Grenze und war zurück in Deutschland. Jetzt ging es über kleine Anstiege und Abfahrten durch eine bewaldete Gegend und plötzlich musste ich der Anstrengung Tribut zollen. Ich hatte richtig Krämpfe und mir war nicht klar, wie ich die restliche Strecke bewerkstelligen sollte.  Am Straßenrand lief ein Bach entlang und an der erst besten Gelegenheit hielt ich an und füllte meine Wasserflaschen in der Hoffnung auf, dadurch die Krämpfe wieder lösen zu können. Zum Teil gelang dieses auch, doch sobald ich mehr Druck auf die Pedale gab ging der Muskel wieder zu. So hieß es über die nächsten Kilometer möglichst ohne Druck zu fahren. Dadurch kam ich deutlich langsamer voran als gedacht und gegen Ende der Tour wartete auf mich noch mal eine richtige Rampe mit über 12% und da hieß es stehen bleiben und schieben. Doch selbst das ging schwer und ich kämpfte immer wieder mit Krämpfen.  Zum Schluss ging es dann bergab zum Auto und ich war froh vom Rad steigen zu können. 

Die Heimfahrt verlief  ruhig, wenn auch nicht so schnell wie die Hinfahrt. Allerdings bekam ich kurz vor Schluss noch mal Krämpfe in den Beinen, obwohl ich unterwegs laufend getrunken und gegessen hatte. Ich musste rechts ran fahren und aussteigen. Nach ca 10 Minuten traute ich mich wieder in den Wagen und fuhr die letzten Kilometer nach Hause. 

Insgesamt war es eine tolle Tour, die ich gerne wiederholen würde, nur dann mit mehr Pausen , Essen und Trinken…