Touren 2021 - Ofenpass
Damit ich bei unserem Familienurlaub auch ein wenig meinem Hobby frönen konnte, hatte ich meine beiden Räder mitgenommen. So konnte ich die eine oder andere Schotterpiste in die Skigebiete hinauffahren, aber auch ein oder zwei Rennradtouren machen, um mich den großen Bergen, di in der Nähe waren zu stellen. Eine dieser Touren sollte mich durch drei Länder und über den Ofenpass führen. Der Passübergang lag hier immerhin oberhalb 2000m . Ich hatte eine schöne Rundtour geplant, die in Summe auch über 3000 Höhenmeter beinhalten sollte.
So machte ich mich dann auf den Weg, nicht bevor ich jedoch die Tage vorher meine Bergform an einer kleineren Steigung (Norbertshöhe) getestet hatte. Diese hatte ich ganz gut gemeistert, doch hatte ich auch richtig Respekt vor der Tour, denn abbrechen galt nicht. Mit Maske, Ausweis und reichlich Riegeln bewaffnet ging es los, immerhin sollte ich von Österreich nach Italien, dann in die Schweiz und am Ende wieder nach Österreich einreisen. Das Wetter war mir auch wohlgesonnen und ich konnte in kurz-kurz unterwegs sein.
Den ersten Abschnitt hatte ich tags zuvor schon angetestet und wusste daher wo es lang ging. Gleich zu Anfang schlug bei einem, meiner Meinung nach, moderaten Bremsmanöver der Alarm des Tachos an und sendete eine Unfallmeldung an Urte. Ich schickte sogleich eine Nachricht hinterher, dass alles gut wäre und hoffte Urte würde die Nachricht auch lesen und sich nicht unnötig Sorgen machen.. So ging es nach guten 5km rüber nach Italien. Eine Kontrolle gab es gar nicht, nirgends war jemand zu sehen, der mich kontrollieren wollte, aber ich blieb ja auch innerhalb der EU. Entlang des Reschensees führte eine leicht wellige Radstrecke, die ich sehr genießen konnte, da die Autos eine andere Strecke fuhren. Dann kam jedoch die erste Überraschung, die weitere Strecke war aufgrund Bauarbeiten gesperrt und so musste ich der Umleitung folgen, die sogar speziell für Radfahrer ausgeschildert war. Dies führte aber dazu, dass nicht die direkte Straße genommen wurde, auf der auch sämtliche Autos fuhren, sondern ein gewisser Umweg, der landschaftlich sehr schön war, mir aber unerwartete Höhenmeter einbrachten. Doch um das Sammeln von Höhenmetern ging es ja schließlich auf der Tour. Die Umleitung war auch so gut ausgeschildert, dass ich problemlos wieder auf meine alte Strecke zurückfinden konnte. Jetzt kam es zum Abzweig in Richtung Ofenpass oder auch Umbrailpass, den ich auf meiner Tour 2013 hinunter gefahren war. Der erste Abschnitt in Richtung Schweiz war deutlich steiler und anstrengender als ich es bei meiner Planung wahrgenommen hatte. Meter für Meter näherte ich mich so der Schweizer Grenze. Vor mir ein wunderschöner Ausblick in Richtung Ofenpass linker Hand erhob sich das Ortlermassiv. Die von mir geplante Trinkpause konnte ich wunderbar einhalten und meine Flaschen an einem öffentlichen Brunnen auffüllen. An der Grenze zur Schweiz wurde ich einfach durchgewunken, kein Pass, kein Coronatest musste vorgezeigt werden. Schön wenn Radfahrer es so einfach haben! Zu Beginn des eigentlichen Anstiegs hinauf zum Ofenpass überholte ich zwei Radler(sie hielten gerade an…), von denen ich fest erwartete, dass sich wieder einholen würden, so drahtig wie sie aussahen. Die Strecke führte über mehrere langgezogene Kehren, guten Asphalt und dann eine Kehrenreihe hinauf zum Pass. Die Anzahl der Autos, die mich überholten hielt sich auch in Grenzen, so dass ich die Auffahrt, soweit möglich, auch genießen konnte. Die beiden Radler überholten mich widererwarten nicht und ich kam an das Passschild, wo dankenswerter Weise eine andere Touristen ein Beweisfoto von mir machte. Ich ging ein paar Meter zurück, um eine weitere Rast einzulegen, etwas zu trinken und zu essen. Hier kam ich mit den vorhin genannten Radlern ins Gespräch, die kurz nach mir den Pass erreicht hatten. Sie waren am Vortag auf das Stilfser Joch gefahren und wollten jetzt mal sehen was noch so geht. So verabschiedeten wir uns und ich fuhr weiterauf meiner Runde.
In der Beschreibung des Ofenpass wurde von einem ekligen Gegenanstieg (Ova Spin) berichtet, den ich aber gar nicht als so schlimm wahrgenommen habe. Anschließend rollte es ziemlich geradeaus in Richtung Zernez. Zwischendurch kam ich am Abzweig nach Livigno vorbei, der nur mit einem Busshuttle zu bewältigen ist, da Radfahren im Tunnel verboten war. Jetzt hieß es „nur“ noch durch das Engadiner Tal zurück nach Nauders. Da ich nicht die gesamte Talstrecke auf der Hauptstraße fahren wollte hatte ich diverse „Umwege“ eingebaut, die mich auf den Höhenzug bringen sollten, um auf kleinen Straßen und Wirtschaftswegen weiterzukommen. Der Teil wurde richtig anstrengend. Immer hin sollten es noch drei ordentliche Anstiege im Laufe des Tals werden und ich spürte, dass meine Kräfte doch ordentlich nachgelassen hatten und am Schluss wartete ja noch die Norbertshöhe mit gut 400Höhenmetern auf mich. Die Aussicht hinunter ins Tal war dafür grandios! An einem der letzten Anstiege spürte ich dann auch den Anflug von leichten Krämpfen und machte bei der nächstbesten Gelegenheit Pause. So saß ich in der Sonne an einem Brunnen in Sent mit frischem Wasser und kaute meine restlichen Riegel. Die Beine fühlten sich schwer an und so richtig erholten sie sich auch nicht. Ich merkte halt, dass ich solche Touren einfach nicht gewohnt war und dieses ein ganz anderes Fahren, als die Touren im flachen Brandburg sind. Ich versuchte den Abschnitt bis zur Norbertshöhe möglichst gleichmäßig und ohne allzu viel Kraftaufwand zurückzulegen.
Die Norbertshöhe selbst ging ich sehr ruhig an und wo ich vor en paar Tagen noch mit Dampf und vorletztem Ritzel gefahren war wuchtete ich mich jetzt bei 50 Umdrehungen und kleinstem Ritzel nach oben. Zwischendurch konnte ich sogar noch auf einen anderen Radler auffahren und ihn überholen, doch kurzer Zeit kassierte er mich wieder, den bei mir war die Luft raus. Die eigentliche Niederlage kam 100 m vor der Kuppe. Meine Beine machten zu und ich musste absteigen. So blieb ich ein paar Minuten stehen, trank reichlich und versuchte meine Beine etwas zu erholen. Dann bezwang ich diese kläglichen 100m auch noch. Der Rest war nur noch ausrollen zum Hotel. Insgesamt hatte ich für die Tour über 6 1/2 h Fahrzeit benötigt und dabei knapp 140km und 2750 Höhenmeter bezwungen.
Die Erfahrung aus dieser Tour sagte mir jedoch, dass ich mit der Form nicht in der Lage war den Umbrailpass mit Zusatzanstieg zum Stilfser Joch zu bezwingen und ich verabschiedete mich von dem Gedanke die zweite große Tour, entgegen der Planung, zu fahren.
































