2024 Schwarzwald - Tag 3 - Hornisgrinde
Für den heutigen Tag war die längste Tour angesagt. Ich hatte am Vorab immer wieder die Wetter-App geprüft, doch leider versprach das Wetter recht regnerisch zu werden. So überlegte ich hin und her, was ich anziehen sollte. Am Ende entschied ich mich für ein kurzes Trikot mit der Regenjacke drüber. Damit die Füße nicht zu nass würden zog ich die Überschuhe drüber. Da ich etwas Sorgen hatte, dass ich bei einer langen Hose zu lange mit nassen Beinen fahren würde, entschied ich mich für die kurze Hose.
Zusätzlich war ich ob, meiner körperlichen Verfassung eine solche Tour bei schlechtem Wetter durchhalten würde, sehr unentschlossen. Doch am Ende siegte die Einstellung, dass ich nicht eine solange Fahrt auf mich genommen hatte, um hier dann in einer Wohnung zu hocken.
Am Anfang ging es auch ganz gut, zumal ich einen gewissen Rückenwind hatte und es auch (noch) trocken war. Die Fahrt in Richtung Offenburg verlief recht ereignislos. Hinter Offenburg machte ich den geplanten Stopp bei einem Supermarkt und versorgte mich mit frischem Wasser. Ich wollte sicher gehen, dass ich für den kommenden Anstieg mit genügend Flüssigkeit versorgt war.
Da ich zu faul war, die leere Wasserflasche wieder in den Laden zu bringen, fragte ich eine vorbeigehende Frau, ob sie die Flasche haben wollte. Sie schaute mich erst sehr skeptisch an und es folgte nur ein recht unfreundliches „Nein“. Ich muss leider schon sagen, dass Freundlichkeit nicht wirklich zu den Stärken hier in der Gegend zu gehören scheint.
Ich schwang mich wieder aufs Rad und weiter ging es in Richtung Durbach, wo der erste Anstieg anstand. Er war nicht sehr lang, hatte aber mit ca. 8,5 % schon eine spürbare Anstrengung. Es ging immer wieder durch kleine Orte / Dörfer und ich nutzte überwiegend den neben der Straße liegenden Radweg, der recht gut ausgebaut war. Leide drückte meine Blase heute wieder mehr und durch die vielen Orte, war es gar nicht so leicht jeweils den passenden Stopp zu finden.
Dann kam ich nach Sasbachwalden, ein Dorf, dass vor einiger Zeit als schönsten Dorf Deutschlands ausgezeichnet war. Es gab viele Fachwerkhäuser und war auch recht hübsch anzusehen. Meine Aufmerksamkeit lag allerdings auf dem jetzt anstehenden Anstieg zur Hornisgrinde, der mit knapp 15 Kilometern und 930 Höhenmetern ein echtes Brett war, zumal es einen Abschnitt von rund 4 Kilometern mit 9,5% im Schnitt gab. Unten im Ort schien noch kurz die Sonne und ich dachte, mit der Regenjacke an, würde es sehr warm werden. Doch ich war noch nicht durch den Ort durch da begann der Regen und dieser ließ auch bis nach oben nicht mehr nach. Die Temperatur sank auch so nach und nach und ich konnte meinen Atem sehen. Die Überschuhe waren super und ich hatte die ganze Zeit warme Füße. Dieses wäre ohne sie sicherlich nicht der Fall gewesen.
So ging es Kilometer für Kilometer nach oben und ich versuchte meinen Tritt zu finden. Immer wieder prüfte ich meine Leistungswerte. Leider konnte ich den Druck der letzten Tage nicht aufrechterhalten. Hier merkte ich doch deutlich mein großes Gewicht und die mangelnde Kondition für die Berge.
Die Autos fuhren im Allgemeinen auch an mir vorbei ohne die Geschwindigkeit zu reduzieren und dass ein oder andere Mal war der Abstand auch nicht so richtig groß. Schließlich kam ich zum letzten Schlussstück hinauf zum Gipfel. Dort kam mir tatsächlich ein Radfahrer entgegen, allerdings mit Gepäck und ziemlich vermummt in Regenkleidung. Er muss ob meiner kurzen Hose doch recht verwundert gewesen sein.
Endlich war ich oben, ziemlich nass und auch etwas kalt. Glücklicherweise hatte das Restaurant oben geöffnet und es waren auch reichlich Wanderer anwesend, die ebenfalls ihre Sachen trockneten. Ich wollte aber nicht allzu lange verweilen, da ich Sorge hatte dann richtig kalt zu werden und so genehmigte ich mir nur eine heiße Schokolade, kam meinem üblichen Bedürfnis nach und stand auch schon wieder draußen in der Kälte. Vor der jetzt kommenden Abfahrt hatte ich doch Respekt, da ich fürchtete sehr kalt zu werden. Es ging allerdings eher in Wellen über eine Art Hochplateau, als dass es deutlich bergab ging, doch reichte es aus mich ordentlich ins Zittern zu bringen und so manches Mal musste ich meine Hände vom Lenker lösen, da er sich doch durch mein Zittern aufschaukelte. Hinzu kam, dass die Straße zweispurig war und reichlich LKWs auf der Strecke unterwegs waren. Dieses machte diesen Abschnitt nicht wirklich angenehm. Zwischendurch machte ich noch einen Halt, da die Blase erneut drückte und schob mir eines meiner Gels rein. Es tat so richtig seine Wirkung und ich konnte richtig spüren, wie die Energie in meine Beine zurückkam. Trotz allem glaube ich Fayek hätte diesen Abschnitt echt verflucht.
Dann konnte ich endlich abbiegen und die Straße wurde ruhiger. Jetzt ging es auch richtig bergab. Der jetzt folgende Abschnitt war eigentlich wunderschön. Eine tolle Abfahrt mit schöner Landschaft und super Straße. Doch aufgrund des Regens und meiner Kälte konnte ich ihn nicht zu richtig genießen. Ich machte auch etwas Gedanken, da ich noch ca. 70 Kilometer vor mir hatte und bei diesen Bedingungen würden es kein Zuckerschlecken werden. Ich redete mir gut zu, dass ich ja eh keine Wahl mehr hätte und irgendwie würde es schon gehen. Entgegen kam mir dann der nächste Anstieg. Zum einen hatte ich keinen Fahrtwind mehr und durch die Anstrengung wurde mir auch wieder wärmer.
Mein Garmin hatte inzwischen so viel Wasser abbekommen, dass er die Steigung nicht mehr korrekt anzeigte. Wenigstens stimmte die Navigation noch und auch das Steigungsprofil wurde richtig angezeigt, so konnte ich mich entsprechend orientieren. Auf dem Pass am letzten Anstieg machte ich erneut Pause und genoss einen meiner Riegel. Ich konnte auch noch etwas geschützt auf einer Bank an einer Hütte sitzen. Dann ging es in die letzten 35 Kilometer. Ich rechnete mir zwischendurch immer wieder aus, wie lange ich wohl benötigen würde, um mich auch etwas abzulenken. Glücklicherweise ging es eigentlich nur noch bergab und da ich auch nicht mehr so hoch war, war die Temperatur auch etwas erträglicher und ich kam nicht mehr ins Zittern, So konnte ich die Abfahrt auch etwas genießen und mich auf eine gute Kurventechnik konzentrieren.
Auf den letzten 12 Kilometern war es dann auch trocken und es sah nicht so aus, ob es hier überhaupt geregnet hatte. Ich fuhr mit einem stetigen Druck auf der Pedale weiter in der Hoffnung so gut voranzukommen und gleichzeitig den Körper halbwegs warm zu halten. Hier sah ich sogar noch zwei andere Rennradfahrer, die auch mit kurzen Hosen unterwegs waren! Zwischendurch musste ich in einem Ort nochmal anhalten, um die Strecke zu finden. Dieses war mit den nassen Fingern aber schwerer als gedacht. Der Garmin reagierte immer wieder falsch oder gar nicht und so dauerte es etwas, bis ich wieder auf der Strecke war. Dann begann der Abschnitt, den ich bereits am Montag gefahren war und so musste ich mich nicht mehr so sehr auf den Garmin verlassen.
Endlich war ich wieder an der Wohnung angekommen und war auf mich ein bisschen stolz, dass ich die Strecke bei diesen Bedingungen gewältigt hatte. Eine warme Dusche und ein warmes Essen sorgten dann auch dafür, dass die Wärme in meinen Körper zurückkehrte. Der Garmin hatte am Ende tatsächlich 800 Höhenmeter unterschlagen. Doch Strava korrigierte die Daten und so konnte ich die Leistung mit 152 Kilometer und gut 2500 Höhenmetern dokumentieren!














