Gran Canaria - Tag 6 - Tauro Pass
Die gestrige Tour war so anstrengend gewesen, dass ich mir ernstlich überlegte heute nicht auf das Rad zu steigen. Ich ließ es etwas ruhiger angehen und nach dem ersten Kaffee kam dann doch die Lust zu radeln. Schließlich war ich dazu ja hergekommen. Außerdem hatte ich am Abend zuvor gelesen, dass es auf Rouvy nun auch den Tauropass als Strecke gab und da wollte ich natürlich gerne einen realen Vergleich haben.
Also ging es wieder in Richtung Mogan. Den größten Abschnitt der Strecke kannte ich bereits, doch wollte ich den kompletten Pass noch fahren. Ich hatte zwar ein etwas schlechtes Gewissen, da ich wieder über die Autobahn durch den Tunnel musste, aber das Boot zu nehmen kam für mich irgendwie nicht in Frage.
Leider plagte mich anfangs mein rechtes Knie und ich konnte nur unter Schmerzen in die Pedale treten. Ich hoffte, dass es mit der Zeit besser wurde und kämpfte gegen den Schmerz an. Die Belastung der letzten Tage war wohl doch etwas zu viel gewesen. Nach einer Pinkelpause ging es dann auch deutlich besser und der Schmerz ließ fast komplett nach. In Mogan machte ich noch einen Kaffeestop an einer kleinen Bar. Hunger hatte ich noch keinen, daher blieb es bei einem Kaffee. Ich überlegte noch meine Wasserflasche aufzufüllen, doch dachte ich mir, dass ich mit fast 1 1/2 Flaschen sicherlich bis zum Picknickplatz oberhalb des Passes kommen würde. Dort hatte ich ja schon mal meine Flaschen aufgefüllt.
Der Pass selbst war eine wahre Freude, viele Serpentinen, tolle Ausblicke und ein guter Belag. Zu Beginn fuhr ich etwas schneller. Unter mir sah ich diverse andere Radler. Leider war ich etwas zu früh im Berg gewesen, sonst wäre es sicherlich eine schöne Motivationshilfe für den Aufstieg gewesen. Oberhalb des Passes machte ich eine Pause, da die Blase erneut drückte und verzehrte eine meiner Bananen. Die Sonne kam auch noch etwas raus, doch tat die Windjacke gute Dienste, denn so richtig warm war es nicht. Auf der anderen Seite vergegenwärtigte ich mir immer wieder, dass Übermorgen der erste Advent sein würde!
Zwei andere Radler überholten mich, aber es gibt ja immer welche, die schneller sind. Ich bewegte mich von meiner Leistung her sicherlich in der oberen Hälfte der Radfahrer, die hier unterwegs waren und war damit mehr als zufrieden. Über Cruz Grande ging es dann in Richtung San Bartolome. Ich wusste, dass jetzt nur noch der kleine Anstieg am Mirador de Fataga zu bewältigen war. So richtig kam aber keine Freude auf, da Regen einsetze und ich deutlich vorsichtiger durch die Kurven fuhr als die Tage zuvor. Den ursprünglich geplanten Stopp in San Bartolome ließ ich aus, da ich weder Hunger noch Durst verspürte und das Wetter nicht zum Halten einlud. Am letzten Anstieg merkte ich dann doch den Unterschied zu den Tagen zuvor. Mein Hinterrad drehte im steilen Abschnitt beim Wiegetritt direkt durch und ich befürchtete kurz hinzufallen, doch konnte ich mich schnell genug setzen und den notwendigen Grip auf dem Hinterrad erzeugen. So fuhr ich auf kleinem Gang im Sitzen die letzten Meter bergauf. Dann ließ ich gemütlich in den Ort rollen, wo es komplett trocken war.
Am Ende waren auf meiner letzten Tour wieder über 100 Kilometer und 2000 Höhenmeter zusammengekommen.
Den Rest des Tages verbrachte ich damit das Rad wieder zu verpacken und etwas klar Schiff in der Wohnung zu machen. Meine gesamte Leistung in dieser Woche waren über 700 Kilometer mit mehr als 15000 Höhenmetern gwesen. Mehr war ich nur auf meiner Alpenüberquerung gefahren!
Mehr als glücklich war ich, dass ich mich entschieden hatte das Kettenblatt zu wechseln und mit einer 50-34er Übersetzung zu fahren, als die 52-36, die ich sonst auf dem Rad hatte. Auch das 32 Ritzel hinten war die richtige Entscheidung gewesen. Alles andere wäre in Quälerei und wäre vor allem auch in der ein oder anderen Schiebepassage geendet. Der Tritt war doch deutlich runder und flüssiger und ich werde es so sicherlich auch auf der Mallorcareise im kommenden Jahr halten.
Alles in allem war es eine tolle Woche mit schönen Touren und traumhaftem Panorama gewesen. Mein Fahrrad hatte seine Dienste klaglos getan, ich hatte keinen Platten und abgesehen von den Hunden keine gefährliche Situation erlebt. Eine schöne Zeit, die ich gerne wiederholen würde!
Die Heimreise selbst hielt noch einen kleinen Aufreger für mich bereit. Der erste Teil verlief noch gut. Luciano brachte mich wieder zum Flughafen und begleitete mich sogar bis zum Check-In. Wir waren recht früh, so konnte ich mich erneut in die Lounge setzen und gönnte mir noch etwas zu Essen und zu Trinken! Kurz nach dem abheben konnte ich sogar noch einen Blick auf die Spitze des Teide werfen, der aus den Wolken herausragte. Der Flug selbst startete leider mit Verspätung und ich war gespannt, ob ich meinen Anschlussflug in Madrid noch bekommen würde. Ganz knapp und aufgrund kurzer Wege konnte ich die Maschine noch erreichen, doch leider musste ich in Berlin feststellen, dass es mein Gepäck nicht geschafft hatte. Der Vorteil war, dass ich den Bus nehmen konnte und so anstelle 50€ für ein Taxi nur 3,40 € für das Busticket ausgeben musste. Der Koffer und das Rad trafen dann zwei Tage später heil und vollständig zu Hause ein. Der Wiederaufbau des Rads ging inzwischen so schnell, dass ich innerhalb von 45min alles zusammengebaut und weggeräumt hatte.
Die nächste Reise kann kommen!


























