Gran Canaria 2021 - Tag 1 - Cruz Grande

Im Vorfeld hatte ich mich schon für die Tour über Soria entschieden, da sie einen guten Mittelweg zwischen Länge und Anzahl Höhenmeter bildete. Nach einem kleinen Frühstück auf dem Balkon und einem ersten Foto machte ich mich fertig und los ging es.

Der Anfang war aber doch etwas holperig, den ersten Abzweig verpasste ich gleich und dann war auf der Gegenfahrbahn auch noch ein Triathlon im Gange. Ich hatte auch etwas Schwierigkeiten die Informationen auf dem Garmin zu entziffern. Da zeigten sich dann doch die Nachteile der Gleitsichtlinsen, gepaart mit einer dunklen Sonnenbrille. Doch schließlich fand ich den richtigen Weg. Dabei bekam ich auch direkt den ersten Motivationsschub, da etwas vor mir zwei andere Radler unterwegs waren. Ich konnte zu den beiden aufschließen und fuhr an ihnen vorbei. Nach dem ersten Fotostopp fuhr ein weiterer Radfahrer an mir vor und ich blieb die darauffolgenden 10 Kilometer immer in Schlagdistanz. Da ich durchaus auf meine Kräfte achtete, war ich umso zufriedener nicht direkt abgehängt zu werden. So ging es über knapp 15Kilometer immer an der Küste entlang mit einem permanenten auf und ab.  Bei Arguineguin ging es mit einer leichten Steigung ins Landesinnere. Die Sonne stand noch so niedrig, dass ich die ganze Zeit im Schatten fuhr. Die Temperaturen waren etwas zu kühl für kurz-kurz, doch die Armlinge wollte ich nicht anziehen, zumal es ja bergauf ging und Tempo und somit der Fahrtwind keine Rolle spielte. Auch war ich noch ganz froh den Schatten zu haben, da ich vergessen hatte mich einzucremen.

Dann kam der erste richtige Anstieg und es gab auch ein Schild, welches Länge und Steigung auswies (7,7% auf 9km Länge). Ca. 200-300 Meter vor mir sah ich eine andere Gruppe Rennradfahrer. Da ich nicht von ihnen überholt worden war und es auch keine andere Straße in diesem Tal gab, machte ich mir gute Hoffnung auf sie aufzufahren. Die ersten beiden hatte ich auch recht schnell eingeholt. Die nächsten zwei dauerten länger, doch auch an sie kam ich heran. Gerade in dem Moment, als ich dran war kam von hinten ein ca. 70 jähriger mit so lockerem Tritt an uns vorbei gefahren, dass ich sehr davon ausging, dass er mit einem eRennrad unterwegs war. Seine sehr große Hinterradnarbe war auch ein deutliches Indiz dafür. Der eine der beiden anderen Radfahrer versuchte sich an mich dranzuhängen, musste aber bald die Segel streichen. Ich fühlte mich richtig gut, übertrieb es aber nicht, da ich ja wusste, was noch alles vor mir lag. Die Straße wurde am Ende des Tals sehr schmal und auch recht schlecht mit deutlichen Schlaglöchern und hatte immer wieder Wellen die deutlich jenseits der 10% lagen. Doch kam ich gut voran und der ein oder andere Aufmunterer von Autofahrern hielt meine Motivation hoch.

Jetzt kam der Punkt, an dem der Zwischenstopp kommen sollte, doch sah ich nichts. Da ich noch eine volle Flasche und weitere Stopps eingeplant hatte, war ich nicht allzu beunruhigt. Am Ende war ich nur etwas zu ungeduldig gewesen. Der Zwischenstopp kam. Es war ein Art Grillplatz mit einem kleinen Sanitärgebäude an dem ich meine Flaschen auffüllte. Es war dort richtig was los. Viele Familien hatten die Gelegenheit genutzt und waren dorthin gefahren und es schwebte ein intensiver aber leckerer Knoblauchgeruch durch die Landschaft.

Etwas später machte ich noch eine kleine Pause, da die Blase drückte. Nach dem Weiterfahren war ich plötzlich der Meinung meine Sonnenbrille verloren zu haben, da sie nicht mehr in meinem Helm steckte und die Straße gerade sehr holperig gewesen war. Ich drehte direkt um und hoffte, dass kein Auto sie platt gefahren hatte. Nach ca. 300 m stellte ich dann fest, dass ich die Brille auf der Nase hatte. So etwas war mir noch nie passiert…

Die Straße führte durch Pinienhaine und entlang toller Berglandschaften. Immer wieder kamen mir auch Rennradfahrer entgegen. So sollte es auch die ganze Woche bleiben. Es waren viel mehr Rennradfahrer unterwegs als ich erwartet hatte, so machte die Quälerei umso mehr Spaß!

Von dieser etwas abgelegenen Straße ging es jetzt auf die Hauptverkehrsverbindung und der Verkehr nahm deutlich zu. Insbesondere Busse waren jetzt auch unterwegs, Gott sei Dank immer in der Gegenrichtung. Ich sah jetzt auch meinen zweiten eingeplanten Zwischenstopp, entschied mich aber dagegen anzuhalten, da meine Flaschen noch recht voll waren und ich auch noch genug zu Essen hatte. Außerdem kam mir der Laden recht voll vor und ich hatte keine Lust zwischen all den Motoradfahrern zu sitzen. So ging es in Richtung San Bartolome de Tirajana.

Kurz davor sagte das Navi mir, dass ich links abbiegen sollte. Es ging jetzt in einem großen Kreis um San Bartolome herum. Die Straße war sehr schmal und auch der Verkehr verebbte völlig. Leider war der Straßenbelag auch nicht der Allerbeste. Zwischendurch begegnete ich zwei Hunden, die die Bewachung ihres Grundstücks sehr ernst nahmen und mich mit lautem Gebelle verfolgten. Da ich nicht wusste, was passieren würde, wenn ich anhielte gab ich Fersengeld und trieb meinen Puls richtig in die Höhe. Typischerweise passieren solche Begegnungen immer wenn es Bergauf geht und man nicht einfach davonrollen kann.

Auf der Abfahrt waren dann die Bremsen gefragt, da es steile enge Kurven gab und dieses bei schlechtem Asphalt. Ich war mir recht sicher hier nicht hochfahren zu wollen, sah dann aber doch zwei „Verrückte“, die teilweise schon in Schlangenlinien unterwegs waren.

Weiter ging es dann wieder auf breiter und besserer Straße nach San Bartolome. Diesen Abschnitt kannte ich bereits aus Rouvy, auch wenn ich ihn dort bergab gefahren war.  Trotz Allem war mir klar, dass jetzt nur noch der Anstieg am Mirador de Fataga übrig war. Ein anderer Radler hing hinter einem Auto fest, an dem ich vorbeifuhr, er zog nach und blieb an mir dran. Aufgrund der Statur war ich mir sicher, dass ich zwar bergab Vorteile hatte, er mich aber wohl am Anstieg stehen lassen würde. Er fuhr auch noch kurz an mich ran, überholte aber nicht und konnte oder wollte dann meinem Tempo nicht mehr folgen.

Überraschender Weise überholte mich plötzlich eine Frau, an der ich bereits einige Zeit vorher vorbei gefahren war. Ich sah dann den e-Antrieb und mir war klar, dass ich nicht folgen konnte. Vor der zweiten Hälfte des Anstiegs flog ich wieder vorbei. Im leicht abfallenden Gelände ist man dann doch schneller. Ich strengte mich noch mal richtig an und versuchte so lange wie möglich vor der eBikerin zu bleiben. Tatsächlich schaffte ich es vor ihr am „Pass“ zu sein, wenn auch nur knapp. Sie zeugte meiner Leistung sehr wohl Respekt und so bat ich sie noch schnell ein Foto von mir zu machen.

Die restliche Abfahrt ließ ich locker austrudeln, verfuhr mich aber prompt in Maspalomas noch einmal und war plötzlich direkt vor dem Meer. Doch der Tacho machte seine Sache gut, berechnete eine neue Route und so kam ich mit ein paar zusätzlichen Höhenmetern glücklich an meiner Unterkunft wieder an.

Der erste Tag hatte mir so rund 5 Stunden Radfahren mit rund 105 Kilometer und über 2300 Höhenmeter eingebracht. Genau so hatte ich mir die Reise vorgestellt. Die abschließende Krönung war dann der Spaziergang am Meer entlang mit den Füßen im Atlantik und mit den Händen den warmen Sand spüren und dass Mitte November!