Mallorca 2022 - Tag 3 - Durchs Tramuntana Gebirge

Der heutige Tag sollte unsere Königsetappe werden. Ich hatte zudem geplant mit dem Zug nach Palma zu fahren und dann von dort aus zurück. Somit musste ich keine Rundtour planen, sondern hatte die Möglichkeit mal von a nach B zu fahren. Eine echte Seltenheit in meiner Radfahrkarriere. Zuletzt hatte ich so etwas bei der Überquerung des Stilfser Jochs 2013. Ich freute mich auch sehr auf die unbekannten Strecken und auch die Landschaft im Westen der Insel ist doch anders als im Osten oder Norden. Für die Strecke hatte ich in meiner Planung auch am längsten benötigt, da ich doch möglichst viele Anstiege mitnehmen wollte, aber die Tour auch nicht völlig ausarten sollte.  

Auf meiner Anreise zur Finca hatte ich bereits die Bahnstation gesehen, an der wir uns einfinden sollten. Am Abend vorher waren wir auch noch mit dem Auto vorbeigefahren, um zu schauen, wie wir Morgens an die Fahrscheine kommen würden. Es stellte sich als sehr unproblematisch heraus. Auf dem Weg zur Bahn hielten wir in Muro auch noch bei einem Bäcker an und gönnten uns etwas Verpflegung für die Fahrt. Der Zug kam pünktlich und wir hatten reichlich Platz für unsere Räder. Man merkte auch, dass es ein gewöhnlicher Dienstag war,  es waren jede Mange normale Menschen auf dem Weg zur Arbeit.

Auf dem Bahnhof hatte Stefan plötzlich einen fetten Bremsplatten bei seinem Hinterrad entdeckt. Das Gummi war komplett runter und die große Frage war, was würden wir jetzt machen. Mit diesem abgefahren Reifen das Risiko eingehen und schauen was passiert, oder zu versuchen in Palma einen Laden zu finden, bei dem er tauschen konnte. Der einzige Laden, der zu der Kette passte, bei der Stefan das Rad geliehen hatte war allerdings in der Nähe des Flughafens und es war klar, dass uns die Aktion mindestens zwei Stunden kosten würde. Wir waren uns nicht sicher, ob wir dann noch im hellen in Muro wieder ankommen würden. So entschlossen wir uns nach einigem hin und her das Risiko einzugehen, zumal er am Vortag wohl bereits mit dem beschädigten Reifen gefahren war und es sich um das Hinterrad handelte. Ein Platzer also leichter auszusteuern wäre. Allerdings fuhr Stefan dann auf der gesamten Fahrt auch mit sehr viel Gefühl vor allem die Berge herunter. Doch es ging alles gut und am nächsten Morgen ging es dann gleich zum Händler und einen neuen Reifen holen.

Die Fahrt aus Palma heraus klappte gut. Ich hatte im Laufe der Jahre doch gelernt besser mit dem Navi umzugehen und wir landeten dort wohin wir auch wollten. So stand dann auch bald der erste Anstieg an. Da eine lange Tour vor uns lag versuchte ich einen runden Tritt zu finden und dabei nicht allzu langsam zu werden. Im Stillen nahm ich mir vor Stefan und Fred etwas mürbe zu fahren, doch sollte diese Idee später voll nach hinten los gehen.  Die Landschaft war sehr schön und abwechslungsreich. Wir fuhren immer wieder durch Wälder und hatten dann wieder tolle Aussichten in die Täler. So kletterten wir einen Anstieg um den anderen nach ober und versuchten uns auf den Abfahrten wieder zu erholen.

Den ersten größeren Stopp legten wir in Deja, einem netten kleinen Künstlerdorf ein. Man merkte, dass dieses durchaus bekannt war, denn es gab viele Touristen die über die Hauptstraße schlenderten. Wir erstanden in einem Supermarkt etwas zu Essen und Getränke und schauten dem bunten Treiben entspannt zu. Jetzt ging es über eine länge Passage runter in Richtung Soller, wo der große Anstieg auf uns wartete. Ich ging mit Schwung in den Anstieg und fuhr Stefan und Fred auch etwas davon. Doch knapp vor der Hälfte des Anstiegs passierte es. Die Kräfte ließen deutlich nach und Stefan mit Fred im Schlepptau zogen an mir vorbei.  Jetzt kamen bei mir auch noch Krämpfe dazu und ich musste mehrfach im Anstieg anhalten und versuchen über Essen und Trinken meinen Haushalt wieder in Ordnung zu bringen. 

 Über das Garmintracking hatte Stefan mich immer wieder verfolgt und konnte so sehen, dass ich mich vorwärts bewegte. Somit schien alles ok zu sein. Ich quälte mich doch ordentlich und kam sicherlich 20 Minuten nach den beiden am Tunnel oben an. Dorte musste ich erneut eine Pause einlegen, bevor ich mir zutraute mich wieder in den Sattel zu schwingen. Bergab ging es dann auch wieder deutlich besser, zumal eine sehr attraktive junge Dame vor mir auf ihrem Rad fuhr.

An der Abzweigung nach Sa Calobra entschlossen wir uns zumindest noch bis an die Kuppe zu fahren. Erneut musste ich aber Stefan und Fred ziehen lassen und wieder plagten mich Krämpfe. Doch mit leichtem Gang kurbelte ich mich langsam hinauf und konnte auch noch einen Blick auf „La Corbata“ werfen. An dem kleinen Imbiss verpflegte ich mich erneut mit Cola, um wieder Zucker in die Muskeln zu bekommen. Da es aber jetzt erst mal gut 25 Kilometer bergab gehen sollte , hatte ich die Gelegenheit mich wieder zu erholen.  Auf dem letzten Abschnitt ging es auch wieder, als ob ich nie Krämpfe gehabt hätte. Selbst am letzten Anstieg vor Muro konnte ich nochmal richtig reintreten.

Doch am Ende waren wir zufrieden, wenn auch etwas müde nach der langen Tour in unserer Finca angekommen.  Auf der Uhr hatten wir immerhin über 140km und 2850 Höhenmeter.