Mallorca 2025 - Tag 7 - Sa Calobra
Der letzte Tag war angebrochen. Frank hatte am Vorabend schon in Frage gestellt, ob er mitkommen würde, da ihm sein Knie doch etwas mehr schmerzte. Wir überredeten ihn beim Frühstück, doch zumindest mit uns loszufahren. Umkehren bzw. abkürzen ging ja immer noch. So starteten wir zur finalen Runde. Ich war schon etwas angespannt, da es heute Sa Calobra hinaufgehen sollte. Den Berg wollte ich voll fahren, da ich mir vorgenommen hatte die Zeit von Stefan von schlagen. Um genügend Kraft dafür zu haben entschied ich mich auch den ersten Anstieg, Coll de Femenia, kontrolliert zu fahren und nicht dort schon zu viele Körner zu verpulvern. Doch der Reihe nach. Frank hielt noch etwas mit, doch schon nach 5 Kilometern strich er die Segel. Sein Knie schmerzte erneut und er sah keinen Sinn darin sich durch die Tour zu quälen. So trennten wir uns noch vor dem ersten Anstieg und Fayek und ich setzten die Tour ohne ihn fort.
Bis zum Anstieg des Col de Femenia blieben wir zusammen und genossen die Landschaft. Am Berg fuhr, wie immer, jeder sein Tempo, wobei ich etwas rausnahm, um für den nächsten Berg gewappnet zu sein. Unterwegs wurde ich von einer Frau im Moviestar Dress derart überholt, dass ich sicher war, dies war eine Profiradfahrerin beim Training. Mit einer solchen Leichtigkeit würde ich auch gerne mal die Berge hochfahren können. Nachdem ich den Col erreicht hatte, ging es doch noch eine ganze Weile auf und ab, bis ich mich dem Kloster Luc näherte. Ich hatte in der Tour diesen kleinen Abstecher eingebaut, da ich am Kloster noch nie vorbei gefahren bin. Am Abzweig wartete ich auf Fayek, da ich vermutete, dass er ggf. einfach der Hauptstraße folgen würde. Er gab zu, dass es eine gute Idee war, da er genau dieses gemacht hätte. Wir legten noch einen kleinen Stopp an der Tankstelle ein, dann ging es zum Abzweig nach Sa Calobra. Im Anstieg zum Col de Resi sahen wir auch einen verunfallten Radfahrer, der blutend auf der Straße lag. Es waren aber genügend Leute um ich herum, sodass keine Veranlassung war auch noch anzuhalten. Dieses war glücklicherweise der einzig verletzte Radfahrer, den wir in der Woch zu Gesicht bekommen hatten. Oben am Col de Reis machten wir einen kurzen Stopp, bevor es hinunter zum Meer ging. Wir hielten immer wieder an, um diverse Fotos zu schießen, da wir bergauf ja durchfahren wollten. In Sa Calobra angekommen sahen wir kurz dem Treiben zu. Fayek holte sich noch eine Cola, um ich zu stärken. Während wir da pausierten, fuhren zwei Profis von Israel Premier Tech an uns vorbei, die von unten schon mal hochgekommen waren, als wir noch recht weit oben in der Abfahrt waren. Die beiden rollten an uns vorbei und machten sich direkt wieder in den Anstieg. Sie sahen nicht sehr angestrengt aus. Naja, so konnten sie uns wenigstens nicht überholen… Am Infoschild zum Anstieg machten wir noch einen kurzen Fotostop und dann ging es los. Ich versuchte von Anfang an mit Druck zu fahren, aber nicht in den roten Bereich zu gehen, da es immerhin knapp 10 Kilometer waren, die es jetzt bergan ging. Ich konnte gut mit höherer Trittfrequenz fahren und die Leistung bei rund 270-280 Watt halten. Positiv überrascht war ich, dass ich, wenn notwendig, kurzzeitig recht problemlos auf über 300 W erhöhen konnte, ohne danach einzubrechen. Nach rund 1/3 der Strecke überholte ich auch einen anderen Radfahrer, was meiner Motivation natürlich guttat. Bei der Hälfte überholte ich einen weiteren Fahrer, der deutlich vor uns gestartet war und von dem ich es nie erwartet hatte ihn noch einzuholen. So ging es Kurve um Kurve aufwärts und bald sah ich auch schon den berühmten Krawattenknoten. Da wusste ich, dass es bald geschafft war. Die letzten Meter waren dann doch hart, wenn auch nicht ganz so schlimm, wie beim letzten Mal, wo mehr Gegenwind geherrscht hatte. Ich überquerte den Pass und wartete dann etwas unterhalb des Passes auf Fayek. Zweimal dachte ich schon, jetzt kommt er, aber er war es dann doch nicht. Doch schließlich war er da und wir machten das hochverdiente Passfoto. In der abendlichen Analyse hatte ich dann hoch erfreut gesehen, dass ich Stefan’s Zeit um glatte 6 Minuten unterboten hatte und war damit sehr zufrieden. Wir rollten hinunter zum Abzweig und dem Kiosk und pausierten erstmal. Cola, Waser und ein Bocadillo tat uns sehr gut. Die Abfahrt den Coll de sa Batalla hinunter war wieder eine Freude. Ich hatte noch einen kleinen Bogen in die Runde eingebaut, um etwas Abwechslung zu haben. Fayek konnte im Flachen dann gut im Wind fahren, gab aber auch zu, dass bei jeder Welle, die mehr als 3% Steigung hatte seine Beine einfach nicht mehr wollten. Das letzte Stück fuhr ich dann vorne. Wehmütig schaute ich nochmal in Richtung Berge. Wer weiß wann ich hier mal wieder sein würde. Wir überholten noch eine Rennradlerin, die ich aufforderte sich in den Windschatten zu hängen und mitzufahren. Dieses taten sie dann auch bis zu unserem Hotel. Sie bedankte sich noch und so hatten wir zum Schluß noch eine gute Tat getan. Frank hatte sich einen ruhigen Tag gegönnt und schon mal die obligatorische Haribotüte für den Rückflug besorgt. Ein letztes Bad im Meer, bevor es zum Abendessen ging, wo wir mit einem Bier noch mal auf die schöne Woche anstießen. Im Anschluß zerlegte ich wieder mein Rad und verpackte es sorgsam in den Radkoffer.

