Harz 2025 - Tag 1 - Große Runde Allein

Es war klar, dass ich diese Tour allein machen würde, da Fayek und Stefan erst später zu mir dazustoßen würden. Da beide auch gesagt hatten, dass sie eine ganz schwere Tour nicht fahren wollte, war klar, dass ich diese Tour am ersten Tag machen würde. Ich wollte hierbei Länge und Höhenmeter in einem Bereich ansetzten, der denen der großen Schweiztour ebenbürtig war.

Der der mir fehlende Berg (Ravensberg)weit im Südharz bei Bad Sachsa lag, plante ich entsprechend. Es solle neben diesem Berg auch auf den Wurmberg und den Brocken gehen. Die Tour war mit über 160 Kilometern und mehr als 3000 Höhenmeter dementsprechend schwer.  So schwang ich mich früh am Donnerstagmorgen in den Sattel. Leider war das Wetter mich nicht wirklich hold. Es hatte am Vortag viel geregnet und die Straßen waren noch entsprechend nass. Auch die Temperaturen waren nicht wirklich sommerlich und ich startete bei ca. 15 Grad.

Der erste Anstieg war mal wieder der hinauf zum Torfhaus. Trotz des kühlen Wetters fühlte ich mich gut und freute mich darauf den gesamten Tag mit dem Rad unterwegs zu sein. So gelang mir am Torfhaus auch gleich eine neue Bestmarke. Weiter ging es über die Harzhochstrasse in Richtung Braunlage und hinauf zum Wurmberg.

Hier konnte ich zwar keine neue Bestzeit fahren, doch warf ich auch noch nicht alles in die Waagschale, da ich ja noch reichlich Kilometer und Höhenmeter vor mir hatte. Oben angekommen machte ich nur kurz Pause für das obligatorische Gipfelfoto, da es recht frisch war. In Braunlage machte ich dann meinen ersten richtigen Stopp mit einer heißen Schokolade. Nach essen war mir noch nicht, aber ich wusste, dass ich mehr und regelmäßiger als sonst essen musste, wenn ich die Fahrt gut überstehen wollte. Jetzt ging es in die lange Abfahrt nach Bad Sachsa. In diesem Ort war ich zuletzt als Grundschüler gewesen. Der Ort strahlte die typische Idylle einer Kleinstadt aus, hätte bei schönem Wetter aber durchaus zu verweilen angeregt. Der Anstieg hinauf zum Ravensberg war deutlich schwere als erwartet. Ich hatte zwar aus Quäldich einen gewissen Einblick, doch in Realität ist es ja meistens doch etwas anders. Mehrfach musste ich auf dem kleinsten Ritzel in den Wiegetritt zu gehen, um die steilen Abschnitte von bis zu 17% zu bewältigen. Insgesamt waren über 300 Hm auf 3,3 Kilometern zu bewältigen. Oben war ein Restaurant, bei dem nichts los war, doch hatte ich mich vorher erkundigt, ob es offen war. Zwei etwas gelangweilte Kellner standen draußen und hofften auf Gäste. Ich war aber der einzige… So kamen wir ein wenig ins Plauschen und sie konnten sich gar nicht vorstellen, dass ich bereits 60 Kilometer gefahren war und noch weitere 100 vor mir hatte. Ich füllte noch meine Wasserflaschen auf und dann sollte es über Zorge in Richtung rocken gehen. Gerade den Anstieg bei Zorge war ich noch bergauf gefahren. Da mir zwischendurch doch immer mal wieder etwas kalt war keimte in mir der Gedanke doch vielleicht die Strecke zu kürzen. Optionen dafür gab es genug. Ich wusste aber auch, dass ich es mir innerlich später vorhalten würde, nicht durchgehalten zu haben. Schließlich gab es in der Schweiz auch keine Möglichkeit zum Abkürzen.  Der geplante Stopp am Brockenbäcker musste leider ausfallen, da dieser entgegen meiner Recherche geschlossen war. So nahm ich mit leerem Magen den Anstieg in Angriff.  Der Wind bliess mir ordentlich ins Gesicht und immer wieder zogen Wolken durch, die auch etwas Regen mitbrachten. Ich spürte auch doch schon die gefahrenen Kilometer und es viel mir schwer so richtig Druck auf die Pedale zu geben. Ankommen war nun das Ziel. Erstaunt war ich, dass trotz des miesen Wetters reichlich Wanderer unterwegs waren. Selbst ein paar andere harte Radfahrer waren unterwegs. So kämpfte ich mich nach oben. Lange blieb ich aber nicht, da es kalt und regnerisch war und ich wollte nicht erst richtig frieren, zumal noch 50 Kilometer auf mich warteten.

Ich überlegte erneut, ob ich nicht auf direktem Weg zurück nach Altenau fahren sollte, aber nach ein bisschen Kontrolle stellte ich fest, dass ich weniger als 10 Kilometer einsparen würde, So ging ich den Rest an. Leider begann es mehr und mehr zu regnen und ich war im Grunde komplett durchnässt. So fuhr ich über Braunlage via Oderhaus in Richtung St. Andreasberg. Den Anstieg vom Oderhaus hatte ich mal als eine meiner stärkeren Fahrten in Erinnerung. Diesmal musste ich aber doch viel kämpfen. Mit meinen aufgesparten Riegeln konnte ich die Energiezufuhr halten und bekam auch glücklicherweise keine Krämpfe. Ab Sonnenberg ging es dann nur noch leicht bergab und das nahende Ziel ließ meine Stimmung wieder steigen. Ich freute mich auch bereits auf die warme Dusche und die große Portion Nudelauflauf, die auf mich wartete. Ein wenig Stolz war ich auch auf mich, dass ich durchgehalten hatte

Sehr froh war ich, dass ich in weiser Voraussicht Zeitungspapier mitgenommen hatte, mit dem ich meine Schuhe ausstopfen konnte. Schließlich sollte es am nächsten Tag mit diesen wieder auf Tour gehen