Hamburg - Berlin 2024

Die Idee kam von Carsten, er wollte schon immer mal gerne mit dem Rad von Hamburg nach Berlin fahren. Die Richtung war in erster Linie davon getrieben, dass wir mehr West- als Ostwind haben und somit die Fahrt deutlich unterstützt werden würde. Frank und Fayek waren sofort voll begeistert, was mich insbesondere bei Frank überraschte. Er hatte in der Vergangenheit bei unseren Touren, doch leichte Schwächen auf den längeren Strecken gezeigt und diese sollte ja deutlich länger gehen, als andere, was wir bisher gemeinsam gefahren waren. Auf der anderen Seite war Frank der einzige von uns, der mit der Teilnahme an der Tour Mecklenburgische Seeenrunde schon eine Tour über 300 km gefahren war. Ich hatte die meisten Bedenken, da ich mir nicht vorstellen konnte eine so lange Strecke vernünftig zu meistern. Daher hielt ich mich mit meiner Zusage im Vorfeld noch zurück. So schwanken meine Gedanken immer wieder zwischen, warum sollte ich so etwas machen und wenn die anderen das packen, schaffe ich es auch. Außerdem wusste ich, wenn ich mich dagegen entscheide, würde ich mich im nachhinein ärgern es nicht versucht zu haben. So gab ich am Ende nach und sagte meine Teilnahme zu. Die Planung war am Vortag mit dem Zug anzureisen, bei Carsten zu übernachten und früh morgens zu starten.

Um mir den Respekt vor der Strecke zu nehmen fuhr ich im Vorfeld schon mal längere Strecken, wobei es dabei maximal 180 km waren und die Vorstellung dann nochmal weitere 140 km zu fahren löste bei mir schon arge Bedenken aus.

Fayek hatte sich um die Ticket für den Zug gekümmert, da wir ja auch unsere Räder mitnehmen wollten. Gepäckmäßig wollten Frank und Fayek ihre Taschen in HH belassen und Casi sollte diese dann bei einem seiner nächsten Berlinbesuche mitbringen. Ich wollte meine Sachen wieder mitnehmen, zumal ich ja mir vor 4 Jahren eine Lenkertasche extra für solche Zwecke gekauft hatte. 

So waren alle Vorbereitungen abgeschlossen und der große Tag sollte kommen, allerdings mit deutlichen Schwierigkeiten in der Anreise. Für unseren Zug wurde Verspätung angekündigt und dieses immer wieder. Durch diese Salamitaktik hatten wir auch nicht wirklich Option einen anderen Zug zu nehmen, zumal es sich als nahezu unmöglich erwies dann auch drei Räder mitzunehmen. Auf dem Bahnsteig befanden sich mehrere Leidensgenossen, die aber alleine oder zu zweit waren und so dann doch mitkamen.  Kurz bevor wir versucht waren die gesamte Tour abzubrechen kam doch noch ein Zug. Nicht unser, aber stiegen mit unseren Rädern einfach ein. Es gab auch gerade noch genug Platz für sie und so fuhren wir mit 5 Stunden Verspätung in Richtung Hamburg. Wir waren uns einig, nie wieder eine Radreise mit der Bahn!

Carsten holte uns am Bahnhof ab, der ja auch den gesamten Nachmittag in Bereitschaft gewesen war. Doch wir hatten uns inzwischen etwas beruhigt und nahmen das Erlebnis mit Humor. Bei Carsten gab es noch Nudeln und ein Entspannungsbier, dann ging es ins Bett, schließlich wollten wir zeitig aufbrechen. Am Morgen hatten wir sogar noch ein kleines Frühstück, dann ging es los. Es war noch frisch, aber die Sonne zeigte sich bereits und wir hatten Rückenwind! Carsten führte uns durch Hamburg und so langsam rollten wir uns en. Durch den Wind kamen wir deutlich schneller voran, als gedacht.  Wir wechselten uns vorne immer wieder ab und waren gespannt, was so kam. Die Landschaft war war schön und Verkehr war auch nicht zu viel. Nach ca. 80km kamen wir an ein paar „Berge“, die nicht schlimmer waren als der Grunewald, aber immerhin mehr, als nur eine Autbahnüberquerung. Zwischendurch trafen wir zwei junge Radler, die wir am Vorabend schon auf dem Bahnhof in Berlin getroffen hatten. Einer der beiden hatte einen Platten und sie hatten keine Ersatzschläuche. So waren sie zu Fuß zurück in den nächsten Ort unterwegs, wo sie hofften Schläuche erwerben zu können. Da ich Schlauchlos unterwegs war und die andren auch alle Schläuche dabei hatten gab ich ihnen meinen Schlauch. Etwas enttäuschend war, dass sie sich nicht mal richtig dafür bedankten. Viel später kamen die beiden von hinten an uns vorbei und fuhren deutlich schneller als wir Richtung Berlin.

Bei ca. 100 Kilometern machten wir den ersten richtigen Stopp in Hitzacker und spendierten uns ein zweites Frühstück. In dem Ort wurde gerade gefeiert und wir sahen sogar noch einen Spielmanzug. Nach einem Gang auf die öffentliche Toilette im Ort ging es dann auch deutlich entspannter wieder los. Der Wind war uns weiterhin gewogen. Hin und wieder mussten wir genauer auf unsere Routen schauen, da wir manchmal nicht ganz sicher waren, wo wir abbiegen sollten. So ging es immer entlang der Elbe auf Nebenstraßen und gut ausgebauten Radwegen.

Der Wind war uns weiterhin hold und dann kam auch schon die 200km Marke in Sicht. In Havelberge sollte es die zweite große Pause geben. Wir brauchten etwas, bis wir ein Restaurant gefunden hatten und leider dauerte es auch recht lange, bis wir unser Essen bekamen. Ich wurde schon etwas unruhig und wollte wieder los, da wir ja noch weitere 100 km vor uns hatten. Insgesamt war die Stimmung aber gut und wir fühlten uns auch noch entsprechend wohl. Carsten, gab aber hinterher zu, daß auf diesen zweiten 100km schon das ein oder andere Mal leichte Krämpfe hatte, doch ging alles gut aus und wir anderen hatten davon gar nichts bemerkt.

Zwischendrin fuhren wir kurzzeitig mit einer größeren Gruppe, die alle dasselbe Ziel wie wir hatten. Allerdings kamen sie alle aus Hamburg und wollten Abends noch mit dem Zug zurück. Sie waren ein bisschen zu schnell für uns und fuhren dann auch eine leicht andre Strecke, sodass wir alsbald wieder alleine waren.

Nachdem bisher alles super verlaufen war erlitt Fayek  nach ca. 250 km doch noh einen Platten. Wir konnten aber gemeinsam das Rad wieder flott machen und dann ging es auf den letzten Abschnitt.

Die Sonne neigte sich aber auch schon langsam in Richtung Horizont und wir merkten alle, daß unsere Kräfte langsam schwanden. So machten wir noch eine weiteren Stopp an einer Tankstelle und versorgten uns mit Riegeln. Ich selbst hatte gar nicht richtig Hunger und mochte nicht wirklich essen. Zudem merkte ich, daß ich bei dem schwindenden Licht die Details auf der Karte nicht mehr lesen konnte. Das verunsicherte mich mehr, als ich erwartet hatte. Doch schließlich kam das Ortsschild von Berlin. Dieses setzte nochmal Kräfte frei und in der Stadt spurteten wir zeitweise gar nochmal an den Ampeln. Aus irgendwelchen mir nicht erklärbaren Gründen funktionierte mein Frontlicht nicht. Daher hielt ich mich immer zwischen Frank und Fayek auf, um am Ende nicht noch von irgendeinem Heini von Autofahrer über den Haufen gefahren zu werden.

Schließlich war die Goldelse erreicht. Da am Brandenburger Tor alles abgesperrt war, beschlossen wir dieses als unser offizielles Ende zu definieren. Wir waren mächtig stolz auf uns diese lange Fahrt erfolgreich hinter uns gebracht zu haben! Frank, Carsten und ich rollten dann entspannt weiter in Richtung Mariendorf, während Fayek sich auf den Weg nach Neukölln machte. Bei mir angekommen hielten wir noch am Dönerladen und holten uns unser wohlverdientes Abend-/Nachtessen.

Insgesamt hatten wir 11:24 (ohne Pausen) bei einer Länge von 320 km benötigt.

Carsten übernachtete noch bei mir und fuhr dann am nächsten, ohne weitere Probleme, mit dem Zug wieder zurück nach Hamburg.