Gran Canaria 2021 - Tag 4 - Pico de las Nieves

Meine heutige Fahrt sollte mich auf den Pico de las Nieves bringen. Es war zwar höher als gestern, dafür aber kürzer und insgesamt auch deutlich weniger Höhenmeter. Darüber war ich auch ganz froh, denn ich merkte die gestrige Tour doch deutlich.

Es ging heute auch zum ersten Mal in Richtung San Bartholome nach oben. Den ersten Abschnitt bis zum Mirador de Fataga hatte ich am ersten Tag ja schon mal gemacht, doch jetzt ging es weiter. Meine Beine wurden langsam warm und ich spürte, dass ich meinen Rhythmus fahren konnte. In San Bartholome legte ich einen kleinen Stopp ein and einem kleinen Straßencafe ein und genoss eine Cola und zwei leckere Makronen. Ansonsten war die Auffahrt eher ereignislos, schön war aber, dass doch viele andere Rennradfahrer unterwegs waren. So hatte man immer wieder Ablenkung und Motivation.

Hinter Cruz Grande ging es dann auch in Richtung Pico. Ich war etwas überrascht vom Abzweig, da ich irgendwie in Erinnerung hatte noch weiter um den Berg herumzufahren. Die ersten Kehren waren auch richtig steil und es ging langsam im Wiegetritt weiter. Leider war der Belag auch nicht der Beste, so dass es doppelt anstrengend war. Am Roque Nublo standen viele Autos mit Ausflüglern, die eine Wanderung zu diesem großen Felsen und Aussichtspunkt machen wollten. Ich für meinen Teil fuhr weiter und der Verkehr wurde auch wieder ruhiger. Die Straße wand sich durch Nadelwälder und ich war bereits in den Wolken unterwegs. Interessanterweise gab es immer wieder Picknickplätze, mit Grillstellen, die auch gut besucht waren. So zog immer wieder ein Duft von gegrillten Würstchen und Knoblauch durch den Wald. Die Steigung war Gott sei Dank nicht mehr so steil wie am Anfang und ich konnte mit einem gleichmäßigen Tempo nach oben fahren. So freute ich mich immer wieder über meine Entscheidung die kleine Kompaktkurbel (50-34) von meinem Hometrainer am Rad angebaut zu haben. Mit der eigentlichen Übersetzung (52-36) wäre es mir deutlich schwerer gefallen die Anstiege zu bewältigen! Aussicht gab es nicht viel, da ich bereits von Wolken umgeben war.  Hier oben war der Herbst auch richtig zu sehen. Die Kastanien waren dabei ihre Blätter abzuwerfen und alles sah so aus, wie bei uns Ende Oktober. Eine letzte Kurve noch und dann hatte ich mein Ziel erreicht. Ich war auf dem höchsten Punkt, den man auf Gran Canaria mit dem Rad erreichen kann.

Jetzt gönnte ich mir erst mal eine Pause mit einem Kaffee, einer Cola und einem Bocadillo. Der Verkaufsstand war noch der Gleiche, wie ich ihn aus meiner damaligen Tour vor 14 Jahren in Erinnerung hatte. Der Kaffee war ok, das Bocadillo allerdings nur mit einer Paste beschmiert und nicht so der Hit. Aber die Kohlenhydrate taten gut. Ich kam auch mit einem anderen Radler ins Gespräch. Er hieß Christian Wünscher und kam aus dem Niederrhein. Er hatte mich kurz hinter San Bartholome überholt, war dann aber nochmal abgebogen. Wir tauschten uns etwas über die möglichen Touren und unsere Erfahrungen aus. Gemeinsam fuhren wir dann auch wieder los. Es sollte auf der anderen Seite in Richtung Ingenio und Aguemes runtergehen. Ich überholte ihn bald, da ich den Eindruck hatte der etwas schnellere Abfahrer zu sein, doch blieb er dicht hinter mir. Bei einem meiner Fotostopps fuhr er dann aber weiter und ich verlor ihn aus den Augen.

Die Abfahrt war auf bestem Asphalt und ich fragte mich, warum ich hier nicht heraufgefahren war. Allerdings kamen mir auch keine anderen Radfahrer entgegen, was mich doch verwunderte. In Aguemes ging es eine lange Gerade quer durch die Stadt richtig nach unten. Es sah schon eigenwillig aus, in der Stadt eine solch lange Straße mit einem Gefälle von 10% und mehr zu sehen.

Mein Navi führte mich dann auf Nebenstraßen durch den Ort in ein Industriegebiet und plötzlich stand ich vor einem Feldweg, der so grob war, dass ich es nicht riskieren wollte ihm zu folgen. Da mir die ungefähre Richtung klar war fuhr ich etwas zurück und wartete, bis mir das Navi eine neue Route anbot. So kam ich nach einiger Zeit zur Hauptstraße, die ich bereits von meiner zweiten Tour kannte und wusste ich auch wieder wo ich war. Jetzt begann es nochmal richtig Spaß zu machen. Die Straße war leicht abschüssig und der Wind kam voll von hinten. Da konnte ich es mit 40 km/h und schneller noch mal richtig krachen lassen. Zwischendurch überholte ich auch noch andere Radler, was so richtig Spaß machte.

Am Ende waren wieder mehr als 100 Kilometer und rund 2400 Höhenmeter zusammengekommen. Ich spürte, dass die Erschöpfung doch lange nicht so groß war, wie am Tag zuvor und entspannte mich auf dem Balkon und dem Sofa.

Ich hatte mich inzwischen auch entschieden diese Woche nicht mehr zu kochen und ging erneut Essen. Diesmal eine ordentliche Portion Pasta und zum Nachtisch gab es in der Wohnung noch Eis!