Gran Canaria 2021 - Tag 3 - Degollada de la Aldea
Da ich nicht wusste, wie sich meine Form im Laufe der Woche entwickeln würde, hatte ich mich entschieden am heutigen Tag die längste Tour mit den meisten Höhenmetern anzugehen. Auch wollte ich sichergehen nicht im Dunkeln zurückzukommen und so stand ich bereits um 6:40 Uhr auf und hatte den ersten Kaffee noch im Dunkeln auf dem Balkon.
Den Start kannte ich bereits, da es wieder die Küste entlang in Richtung Puerto de Mogan ging. Der Wind war günstig und so konnte ich in der aufgehenden Sonne die ersten Wellen nehmen. Kurz vor Puerto de Mogan, wo es in die Berge gehen sollte, erlebte ich eine böse Überraschung. Die Straße war komplett gesperrt. Sie war richtig mit einem Bauzaun abgesperrt und ein großes Schild wies daraufhin, dass die Weiterfahrt gefährlich und verboten sei. Verwirrt blieb ich erst einmal stehen, um zu überlegen wie es weitergehen könnte. Ich irrte ein wenig auf den Straßen herum, ob ich irgendwo ein Hinweis finden würde, wie ich weiterkommen könnte. Doch selbst unter zu Hilfenahme von Google fand ich keinen Weg. Der einzige Weg, der mir angezeigt wurde, war die Autobahn und da wäre ich wohl wirklich falsch. So fuhr ich wieder zur Absperrung. Dort sah ich mehrere Fußgänger die abgesperrte Strecke hochgehen. So dachte ich mir, wenn die da lang können, kann ich es vielleicht auch. Ich klemmte mein Rad durch die Lücke am Bauzaun und fuhr weiter. Da es nach oben und um eine Kurve ging konnte ich auch nicht sehen, wie es dahinter aussah. Nach ca. 500-600m war dann wirklich Schluss. Auf der Straße war eine richtige 3m hohe Mauer gezogen und dort gab es kein Durchkommen. Ich musste umkehren.
Unten wieder angekommen fuhr ich in Richtung Autobahn in der Hoffnung, dass es dort einen kleinen Nebenweg geben würde. Doch nach 400m stand ich direkt an der Auffahrt. Nach links ging es in einen Tunnel, der mit einer Länge von rund 650m angegeben war und dieses wäre meine Richtung. Nach rechts ging es auch in einen Tunnel, allerdings mit einer Länge von rund 2,5 km. Glücklicherweise gab es an der Stelle an der ich stand eine Art Mittelinsel mit einer Leitplanke und so entschied ich mich kurzerhand mit dem Rad auf die andere Seite zu gehen und auf dem Seitenstreifen durch den Tunnel zu fahren. Da die Autobahn leicht abschüssig war, konnte ich gut Tempo aufnehmen und hatte den Abschnitt in weniger als einer Minute durchquert. Etwas mulmig war mir schon dabei, zumal ich nicht wusste wie die lokale Polizei reagieren würde, falls man mich erwischte. Endlich war ich wieder auf der richtigen Straße und konnte meine Fahrt „ordnungsgemäß“ fortsetzen. Umso überraschter war ich, als ich direkt vor mir zwei anderen Radlern begegnete. Ich fragte sie, wo sie herkämen, da ich sie nicht gesehen hatte. Sie teilten mir mit, dass sie ein Boot von Puerto Rico genommen hätten und dieses hätte sie in den Hafen von Mogan gebracht. Auf die Idee war ich gar nicht gekommen, doch lag Puerto Rico auch ca. 10 Kilometer zurück. Ich wünschte den Beiden noch viel Spaß und fuhr weiter. Zuerst blieben sie noch an mir dran, doch nach und nach setze ich mich ab, auch wenn sie durch meine Fotostopps immer wieder an mir vorbeifuhren. In Mogan hielten sie dann an und wir verloren uns aus den Augen.
Jetzt begann der bergige Abschnitt. Es ging nicht den Tauropass hoch, sondern links weg in Richtung Aldea. Auch hier stieg die Straße an, doch alles im moderaten Bereich (6-7%). Die Landschaft war sehr karg und alles war braun in braun, aber trotzdem toll anzuschauen. Es herrschte wenig Verkehr und die Fahrt machte viel Spaß, zumal auch die Sonne immer wieder zwischen den Wolken durchschien und mich wärmte. Auf der Passhöhe angekommen hatte ich einen fantastischen Blick in Richtung Westen nach Aldea, oder wie der vollständige Name hieß „La Aldea de San Nicolas de Tolentino“.
Ich hatte eine lange Abfahrt auf bestem Asphalt und ließ es entspannt rollen. Ein Motorradfahrer, der oben noch schnell an mir vorbei gezogen war, konnte sich nicht wirklich absetzen, obwohl ich nicht auf Tempo fuhr. Gut war dadurch, dass ich mich etwas an seinen Bremspunkten orientieren und besser einschätzen konnte, wie die Straße weiterging. Im Tal fuhr er aber dann davon. In Aldea hatte ich mir einen Stopp markiert, um Wasserflaschen wieder aufzufüllen. Der SPAR, an dem ich hielt war zwar nicht sonderlich hübsch gelegen, dafür war ich von der Auswahl im Laden echt überrascht. Im Gegensatz zu den Supermärkten in Maspalomas gab es hier eine Frischetheke mit Wurst und Käse. Ich brauchte aber nur Wasser, nutzte aber die Gelegenheit mir noch zwei Bananen mitzunehmen.
Direkt im Ort setzen sich zwei Radfahrer hinter mich und fuhren mit mir die nächsten Kilometer weiter. Auch hier hatte ich wieder das Hase und Igel Spiel. Ich fuhr etwas vorneweg, doch bei jeden Fotostop holten sie mich wieder ein. Die Strecke führte in eine schmale Schlucht, in der kaum etwas wuchs, trotzdem landschaftlich wieder total toll war.
Kurz vor einer Staumauer ging es in engen Serpentinen nach oben. Hier schüttelte ich meine Begleiter ab, da ich wohl doch die besseren Beine oder auch die leichtere Übersetzung hatte. Immer weiter führte die Straße hinauf. Dann kam ich an einen Abzweig, der mich in Richtung Artenara führen sollte. Die andere Richtung war wohl der Weg in das berüchtigte Tal der Tränen. Diesen Abzweig traute ich mir nicht zu, da es dort wohl über 4 Kilometer rund 14% bergan gehen sollte. Doch auch in meine Richtung wurde es nicht flach. Die Straße wand sich in weiten Kurven immer weiter nach oben. An einem Zwischenhalt konnte ich einen sehr guten Blick auf die andere Strecke werfen und der Anstieg sah schon sehr beeindruckend aus. Die Landschaft änderte sich wieder und es waren mehr Nadelbäume auf der Strecke. Man sah deutlich, dass dieses die Wetterseite der Insel war, auf der mehr Regen fiel. Sorgen bereitete mir allerdings mein rechter Fuß, da ich bei jedem Kurbeldruck Schmerzen in der Fußsohle verspürte. Letztendlich bezwang ich den Anstieg und kam zu einem weiteren geplanten Zwischenstopp. Es war eine Tankstelle, an die ein kleines Cafe angeschlossen war. Obwohl es etwas kühl war, blieb ich draußen sitzen, da drinnen die lokalen Arbeiter ihre Pause machten und ich lieber frische Luft haben wollte. Auch zog ich meine Schuhe aus, insbesondere um meinem angeschlagenen Fuß etwas Erholung zu gönnen. Die Sonne kam dabei heraus und wärmte mich, da mir doch in den feuchten Pinienwäldern kalt geworden war. Die zusätzliche Energie aus einer Cola und einem großen Croissant taten dann aber ihre Wirkung und ich fühlte mich wieder besser. Es waren zwar noch viele Kilometer bis zurück nach Maspalomas, doch gut 2/3 der Anstiege hatte ich bereits hinter mich gebracht. Die Pause hatte meinem Fuß gut getan und er tat nicht mehr weh, was mich sehr entspannte.
In moderaten Steigungen ging es weiter in Richtung Tejeda. Dort kam ich dann auch an dem Abzweig vorbei, der mich von Mogan heraufgebracht hätte, wenn ich den Tauropass genommen hätte. Den jetzt folgenden Abschnitt war ich bereits vor zwei Tagen gefahren und so befand mich wieder auf gewohntem Terrain. Die Mauer in San Bartolome ließ ich aber heute aus. So ging es auf bekannten Pfaden wieder zurück in Richtung Maspalomas. Den letzten Anstieg bei Fata bewältigte ich wieder gut. Meine Beine hatten sich in der langen Abfahrt doch besser erholt als gedacht. So kam ich erschöpft, doch glücklich, im Apartment wieder an. Der Tacho zeigte mir 149,9 Kilometer. Da wollte ich doch die 150 voll machen und fuhr noch ein wenig die Straße weiter und wieder zurück. An Höhenmeter hatte ich rund 3200 gesammelt. So viel war ich schon lange nicht mehr gefahren.






































