Gran Canaria 2021 - Tag 2 - Alto de Temisas
Im Wetterbericht von Gestern war Regen angesagt gewesen. So machte ich mir doch einige Gedanken. Den ganzen Tag durch den Regen zu fahren, insbesondere auf nasse Abfahrten hatte ich wenig Lust. Auch der Gedanke mit klatschnassen Schuhen zurückzukommen war nicht gerade erfreulich. Auf der anderen Seite war ich zum Radfahren hier und ich wollte gerne all die Touren fahren, die ich mir ausgedacht hatte. So entschied ich mich es darauf ankommen zu lassen und wählte zumindest die kürzeste Strecke, die ich geplant hatte. Hinzu kam, dass ich bei dieser Runde den Bogen bei San Bartolome in entgegen gesetzter Richtung zu gestern fahren würde. Der Teil, an dem ich gedacht hatte, hier möchte ich nicht hochmüssen. Ich hatte allerdings die Möglichkeit, diesen Teil zu umgehen und so würde ich bei schlechtem Wetter die Strecke noch weiter abkürzen können.
Recht müde stand ich am Morgen auf und ließ es ruhiger angehen, schließlich war die Tour mindestens 15km kürzer als gestern. Der Himmel sah allerdings gar nicht so schlecht aus und so machte ich mich gegen 8:45 Uhr auf den Weg. Nach ca. 8 Kilometern fing es dann doch leicht zu nieseln an und ich zog die Regenjacke über, schließlich hatte ich sie dafür mitgenommen. Glücklicherweise war es nur wenig und nach knapp 15min hörte es auch schon wieder auf. Der erste Teil der Strecke, war leider nicht besonders schön, da es entlang der Hauptstraße ging und auch die Landschaft gab nicht viel her. Ich sah auch reichlich Müll am Straßenrand und fragte mich warum die Menschen ihren Müll so gedankenlos wegwarfen.
Endlich ging es in die Berge und der Verkehr wurde merklich ruhiger. Die Straße zog steigungsmäßig auch an und ich merkte doch die Fahrt von gestern in den Beinen. Linker Hand sah ich eine lange Gerade, die steil nach oben ging und ich dachte mir, wenn es da rauf geht wird es anstrengend. Allerdings passte der Streckenverlauf nicht zu dem, was ich im Kopf hatte. So kam es dann auch, anstelle nach links auf die Steigung zu, bog ich nach rechts ab und entfernte mich davon.
Es ging dann über einige Kilometer in weiten Kurven mit leichtem Auf und Ab weiter. Hinter mir hatte ich einen anderen Radfahrer bemerkt, der mit rund 500 Meter Abstand hinter mir herfuhr. Ich ließ mich nicht beirren und behielt mein Tempo bei. Aufgrund meiner Fotostopps kam er immer näher und überholte mich auch, als ich mal wieder stand. Ich hängte mich an ihn dran, stellte aber fest, dass er doch etwas langsamer war als ich und zog daher vorbei. Allerdings war er sicherlich auch 10-15 Jahre älter als ich. So kam es immer wieder dazu, dass er mich bei meinen Fotostopps überholte, ich auf der Strecke, dann aber wieder vorbeifuhr. Schlussendlich „trennten“ wir uns, da er abbog und ich weiter geradeaus wollte.
Die Landschaft hatte schon fast etwas Surreales, da alles braun in braun und sehr karg war. Der wenige Verkehr trug seinen Teil zu diesem Gefühl noch bei. So fuhr ich in einem großen Bogen wieder in Richtung San Bartolome. Ich konnte auch einige Radfahrer von oben sehen, die einen der steilsten Anstiege auf Gran Canaria in Angriff genommen hatte (wie ich dachte…). Ich hatte mit meiner Strecke einen großen Bogen darum gemacht, auch weil ich mir den Anstieg nicht wirklich zugetraut hatte. Das Wetter hielt sich wider erwarten gut. Es war zwar bewölkt, aber der Regen schien sich auf die Nordseite der Insel zu beschränken. Hin und wieder kam sogar die Sonne heraus.
In Santa Lucia machte ich bei einem kleinen Bäcker eine Pause, um meine Trinkflaschen aufzufüllen. Dort hatten sich bereits diverse andere Radfahrer eingefunden. Essen wollte ich nichts, da ich lieber mit etwas leererem Magen fuhr, insbesondere da ich mir inzwischen vorgenommen hatte doch den steilen Bogen zu wagen.
Ich dachte schon an dem Abzweig zur oben genannten Schleife vorbei zu sein, als er doch kam. Es ging auch gleich richtig in die Vollen und der Tacho zeigte mehrfach Steigungen über 15% an. Mein Glück war, dass es in Wellen nach oben ging und ich so immer wieder kurze Phasen (nur 8-10% Steigung) zur Erholung nutzen konnte. Wie am Vortag begegnete ich wieder ein paar recht aggressiven Hunden, Glücklicherweise aber nicht dem großen Hundepaar von gestern. Spaß machte es trotzdem nicht. So kam ich nach rund 50 Minuten in den flacheren Abschnitt der Strecke und war recht stolz auf mich den Anstieg bewältigt zu haben.
In San Bartolome angekommen, dachte ich mir, ich könnte ja durch den Ort zum Aussichtspunkt fahren, an den ich mich noch von meiner Tour in 2007 erinnerte. Erfreut stellte ich fest, dass ich diesen Schlenker sogar in der Route eingeplant hatte. Um eine enge Kurve herum ging es plötzlich massiv nach oben. Die Steigung fiel über nächsten 300m nicht unter 15%, ging zeitweise sogar auf jenseits der 24% nach oben. Im unteren Teil hatte ich einen Schreckmoment zu überstehen, da ich mit dem Vorderreifen in eine Abwasserrinne geriet, die quer über die Straße lief. Gott sei Dank, kam mein Rad direkt wieder raus und ich stürzte nicht und mein Rad hatte auch kein Schaden genommen.
Oben angekommen gab es zwar keinen Ausblick, dieser war wohl nur durch ein Hotel erreichbar, doch machte ich eine richtige Pause, da jetzt erneut nur noch der Anstieg zum Mirador de Fataga zu bewältigen war.
Es war schon fast ein Deja Vu. Wieder hatte ich einen Radfahrer vor mir, an den ich auf der Abfahrt heranfahren konnte. Ich überholte ihn und war gespannt, wann er an mir vorbeiziehen würde. Der Radfahrer, der mich dann aber überholte war ein anderer. Ich sah, dass er ordentlich am Horn zog und alles gab um mich abzuhängen. Ich blieb bei meinem Tempo, konnte in einer flachen Passage dann sogar fast aufholen. Immer wieder sah sich der Andere auch um, ob ich noch folgen würde. Im steilen Abschnitt kurz vor den Haarnadelkurven am Mirador ging ihm aber dann die Luft aus und er blieb mit über den Lenker gebeugtem Oberkörper stehen. Ich zog vorbei und freute mich erneut die kleine Schlacht gewonnen zu haben. So schlecht schien es mit meiner Bergtauglichkeit, trotz des hohen Gewichts nicht bestellt gewesen zu sein. Am Mirador machte ich diesmal keinen Halt, sondern fuhr direkt weiter. So näherte sich meine Fahrt schon wieder dem Ende.
Unterwegs sah ich einen Radfahrer mir entgegenkommen, der mir sehr nach dem Gründer von Quäldich.de (Jan) aussah. Am Ende der Abfahrt sah ich auf die Uhr und fand es war noch zu früh in die Wohnung zu fahren. So machte ich kurzentschlossen kehrt und fuhr wieder in Richtung Mirador. Der Radler, den ich an der Steigung abgehängt hatte schaute mich auch sehr verwundert an, als er mich plötzlich entgegenkommen sah. Jetzt merkte ich doch deutlich die Anstrengung des Tages und so richtig Druck bekam ich nicht mehr auf die Pedale. Etwas unterhalb des Passes wusste ich von einem Restaurant und dachte mir bis dahin könnte ich vielleicht fahren, um dort etwas zu Essen und zu trinken. Dann sah ich doch schon den Pass und ließ nicht locker. Die letzten zwei Kurven wollte ich auch noch schaffen. Oben stand tatsächlich die Person, die ich im Verdacht hatte Quäldich.de gegründet zu haben. Ich sprach ihn und hatte Recht. Er war aber ganz privat mit seiner Freundin unterwegs und nach ein paar gewechselten Worten fuhr jeder in seine Richtung von dannen. Ich fuhr bergab zum Restaurant, wo ich mir zwei Colas und ein Sandwich mit Pommes gönnte. Nach der Verpflegungspause, die mir sehr gutgetan hatte, ließ ich es locker ausrollen und hielt mich diesmal auch an die Garminroute. So waren am Ende wieder 106 Kilometer und rund 2100 Höhenmeter zusammengekommen.
Nachdem ich geduscht und etwas gegessen hatte machte ich mich noch auf die Suche nach dem Hotel, indem Urte und ich 2007 gewohnt hatten. Ich glaubte auch es gefunden zu haben, war mir aber nicht sicher gewesen. Zur Feier des Tages ließ ich das Kochen ausfallen und gönnte mir ein ordentliches Steak !
























