Mont Ventoux 2017 - Tag 5 - Club de Cingles
Heute sollte unser großer Tag werden! Wir wollten alle drei Anstiege an einem Tag bewältigen und damit dem Club des Cinglés beitreten. Einen kleinen Aufreger hatten wir die Tage zuvor schon gehabt, da Casi sein Stempelblatt zu Hause vergessen hatte. So hieß es mit reichlich Fotos unsere Fahrt zu dokumentieren. Wir wollten uns auch an die Empfehlung des Clubs halten und die Anstiege in der vorgeschlagenen Reihenfolge bewältigen. Zuerst sollte es von Bedoin hoch gehen, was uns entgegen kam, da dieser Anstieg am dichtesten an unser Unterkunft lag. Anschließend kam der Anstieg von Malaucène und zum Schluss der Anstieg via Sault. Den ersten und dritten Anstieg kannte ich ja schon, so wusste ich größtenteils was auf mich zukommen würde.
Kurz vor 8 Uhr starten wir zu unserem unterfangen. In Bedoin hatte das Radgeschäft noch geschlossen, so dass ich mehrere Fotos mit mir und der Kontrollkarte machte. Auch zusammen mit Casi dokumentierte wir unseren Anstieg, damit er die Bilder später als Beweis nutzen konnte.
Am Fuße des ersten Anstiegs angekommen ließ ich Fayek und Carsten recht schnell ziehen, da mir klar war, dass ich ihr Tempo nicht würde halten können. Jetzt machten sich meine Wattleistungspedalen auch bezahlt, da ich durch die Tage zuvor einen guten Anhaltspunkt hatte, welche Leistung ich über einen längeren Zeitraum in der Lage war zu treten. Ich pendelte mich so bei 230 – 240 Watt ein und versuchte eine halbwegs runde Trittfrequenz zu halten. Motivierend kam hinzu, dass an dem Tag ein größerer Radtrupp den Anstieg ebenfalls bewältigte und diese Protagonisten mir in Alter und vorallem Gewicht durchaus ebenbürtig waren! So konnte ich immer wieder auf den ein oder anderen Fahrer auffahren und überholen und nichts motiviert mehr als schneller als andere zu sein!
Nach gut 2 Stunden erreichte ich den Gipfel. Im Souvenirshop ließ ich meine Kontrollkarte abstempeln und wir ruhten uns bei 12 Grad ein wenig bei Cola und Energieriegeln aus. Während wir noch saßen kam Markus den Berg hinauf. Er hatte sich ein eBike gelliehen und war damit nach oben gestrampelt. Der Akku hatte genau bis zum Gipfel gereicht und er hatte unterwegs seinen Spaß dabei gehabt reichlich Radfahrer zu überholen…
Noch ein gemeinsames Gipfelfoto mit uns vieren und dann ging es in die Abfahrt nach Malaucène. Ich war wieder in meinem Element und genoss die Abfahrt. Die Temperaturen stiegen schnell wieder an und in Malaucène setzten wir uns vor ein kleines Cafe welches direkt am Anstieg lag. Natürlich nicht ohne sich einen weiteren Stempel in das Kontrollheft machen zu lassen. Der Kaffee wärmte uns und das Croissant füllte unsere Energiespeicher wieder etwas auf.
Jetzt ging es in den zweiten Anstieg. Im unteren Teil kam ich gut zurecht, auch wenn Casi und vor allem Fayek schnell davongezogen waren. Im steilsten Stück, bei ca. 12 % kam dann aber meine Schwachstelle. Ich hatte einfach nicht mehr die Kraft die Kurbel zu drücken und es bereiteten sich Krämpfe in meinen Beinen aus. So musste ich wohl oder übel absteigen und ca. 500m schieben um mich zu erholen. Parallel zu mir fuhr ein Pärchen, bei welchem die Frau auch in Schlangenlinie unterwegs war und auch nicht schneller als ich zu Fuß. Nach diesen 10- 15 Minuten stieg ich wieder aufs Rad und kurbelte langsam weiter. Schließlich erreichte ich den Gipfel. Fayek und Casi warteten schon etwas ungeduldig, da den beiden schon etwas kalt geworden war. So war meine Pause etwas kürzer und es ging in die zweite Abfahrt nach Sault.
In Sault setzen wir uns wieder in ein Cafe um uns zu erholen und ich holte mir den letzten Stempel. Die Dame im Laden meinte ich wäre heute sogar der erste gewesen, der sich heute diesen Stempel abgeholt hätte. Wir hatten Espresso und Croissants und eigentlich hätte ich mir richtig den Bauch vollschlagen können, doch dann wäre ich sicherlich nicht mehr nach oben gefahren. Gleich zu Beginn ließ Fayek es krachen und hatte schnell einen ordentlichen Vorsprung. Casi blieb noch etwas bei mir, doch er setzte sich dann auch ab, als ich meinte er könne ruhig sein Tempo fahren.
Ca. 2 km vor dem Chalet kam ich ihm wieder näher, doch einholen war nicht. Als ich am Chalet vorbeifuhr hatte Fayek einen Riegel für mich organisiert und stand Casi mit ihm bereit, den ich mir während der Fahrt griff. Was für ein Service !! Die letzten 6 Kilometer gingen deutlich besser als an den Tag zuvor. Ich schaute immer wieder zurück ob Carsten von hinten aufschließen würde, doch war er nicht zu sehen. Die Auffahrt war recht leer geworden, da die Uhr schon Richtung 18:00 Uhr ging. Ein wenig überraschend erreichte ich den Gipfel als erster. Hier ließ ich meiner Freude freien Lauf und schrie sie deutlich heraus, was mir auch den ein oder anderen verwunderten Blick einbrachte, doch war es mir egal… Ich hatte es geschafft !! Etwas später kam auch Casi, der einfach noch Pause am Chalet gemacht hatte. Er erzählte mir dann auch, dass Fayek nicht mehr heraufkommen würde. Er war überraschend zu einem kostenfreien großen Baguette im Chalet Renard gekommen, welches es ihm zu schwer machte sich nochmal die letzten 6km zum Gipfel zu kämpfen und schließlich war er ja schon mehrfach oben gewesen. Casi und ich beglückwünschten uns erneut und machten diverse Beweisfotos ! Die Abfahrt in der Abendsonne auf der leeren Straße war sehr schön und ich konnte sie richtig genießen.
In Bedoin angekommen machten wir nochmal ein schönes Erinnerungsfoto ! Schließlich hatten wir unser großes Ziel, welches wir uns vor über einem Jahr gesetzt hatten, erreicht! Am Haus wurden wir von den anderen mit Applaus empfangen und wir feierten alle zusammen unsere große Ausfahrt gebührend…
Regina beschenkte jeden von uns mit einer Tasse, auf der der Aufstieg von Bedoin festgehalten war. Diese wurde direkt nach meiner Rückkehr ins Büro als meine offizielle Kaffeetasse eingeweiht 😉


























