Maratona dles Dolomities - Tag 3 - Das Rennen
Der Start
Heute sollte der Tag der Tage sein. Wir hatten alle am Vorabend unsere Kleidung und Verpflegung vorbereitet. Die Räder waren auch gecheckt. Bereits vor 5 Uhr hieß es aufstehen. Unsere Wirtin bereitete uns auch ein frühes Frühstück, welches wir trotz der Aufregung gut zu uns nehmen konnten. Vor allem der Kaffee tat seine Pflicht und weckte die Lebensgeister. So saßen wir bereits vor 6 Uhr auf dem Rad und machten uns auf den Weg zum Startort. Von allen Seiten kamen die anderen Mitstreiter und das Surren der Räder erfüllte die morgige Luft. Es war auch noch recht frisch, speziell auf der Abfahrt runter nach Corvara, doch ließ es sich mit der Windjacke gut aushalten. Aus den Erfahrungen anderen Touren hatte ich mich auch entschieden in kurz zu fahren und auf die Windjacke zu vertrauen. So konnte ich etwas Platz und Gewicht sparen. Der Startbereich füllte sich immer mehr und alle warteten gespannt auf das Startsignal. Als kurz vor dem Start auch noch ein Hubschrauber dicht über dem Starterfeld kreiste kam ich mir wie ein Profi vor. Dann ging es endlich los. Allerdings doch erst sehr geruhsam. Ich denke alle hatten doch den entsprechenden Respekt vor der Anstrengung, die vor uns lag. Unser „lockeres“ Zeil gemeinsam zumindest bis zum ersten Berg zu fahren ging sehr schnell verloren und ich sah recht schnell kein bekanntes Gesicht mehr.
Der erste Anstieg
Am ersten Berg (Campolongo) schob sich das Feld sehr zusammen und es ging doch sehr langsam hinauf. Es war fast schon schwierig einen Rythmus zu finden, da doch einige Fahrer mit sehr großen Übersetzungen unterwegs waren und hier bereits Schwierigkeiten hatten. Mit meiner kleinen Übersetzung kam ich ganz gut zurecht und strampelte so mit vielen anderen Mitstreitern den Berg hinauf. Der Anblick von so vielen Radfahrern, die sich alle den Berg hinaufkämpften und fast nur das Surren der Räder zu hören war, war fantastisch, zumal es der Wettergott gut mit uns gemeinte hatte und wir in den strahlenden Sonnenschein fuhren. Ich merkte allerdings, dass meine Blase schon drückte und überlegte, wo ich wohl am besten anhalten konnte. Ich entschied mich am Ende der ersten Abfahrt anzuhalten, in der Hoffnung dort vielleicht eine Toilette zu finden, die es leider nicht gab und so blieb mir nur der Straßenrand ,während die anderen an mir vorbeizogen.
Der zweite Anstieg
Es folgte der Anstieg zum Passo di Pordoi. Hier zog sich das Feld bereits etwas auseinander und man hatte mehr Gelegenheit sein eigenes Tempo zu finden. ich versuchte nicht zu schnell zu fahren, da ich immer noch einen heiden Respekt vor den noch zu überwindenden Bergen hatte. Für die gut 9km hinauf zum Gipfel benötigte ich fast eine Stunde und war immer noch von vielen anderen Radfahrern umgeben. Auch gab es nochmal die Gelegenheit ins Tal zu Blicken und die lange Kette an Radfahrern zu bewundern. Diesen Moment werde ich nie vergessen. In der Abfahrt konnte ich dann meine Fähigkeiten ausspielen und fuhr doch an einigen anderen vorbei und machte so wieder Plätze, die ich in der Auffahrt verloren hatte wieder gut.
Der dritte Anstieg
Jetzt ging es hinauf zum Sellajoch. Ich wusste aus meinen Trainingsfahrten auf dem Heimtrainer, dass dieser Anstieg nicht zu lang war doch gerade am Anfang war der Umstieg vom abfahren zum bergausfahren nicht einfach und die Muskeln mussten sich erst wieder umstellen. Am Straßenrand wurden wir mit Glockengeläut angefeuert und alle waren bester Stimmung. In der Abfahrt hin zum Grödnerjoch überholte ich Carsten und ging mit einem Vorsprung in den nächsten Anstieg.
Der vierte Anstieg
Dieses war der letzte Berg der Sellarunde und noch fühlte ich mich gut. Das Grödnerjoch bot im Aufstieg noch eine Verschnaufpause mit einem kleinen Flachstück und so erklomm ich ebenfalls diesen Gipfel. Oben angekommen blieb ich kurz stehen, um mir meine Windjacke überzuziehen, da die anstehende Abfahrt etwas länger war und nicht kalt werden wollte. In diesem kurzen Moment kam Casi an mir vorbei und ging als erster in die Abfahrt. Von Fayek und Frank hatte ich bis dato nichts gesehen.
Der fünfte Anstieg
Jetzt ging es an unserer Unterkunft vorbei und in Corvara schon mal durch das Ziel. Die Teilnehmer, die sich für die kurze Strecke entschlossen hatten waren somit bereits fertig. Anschließend ging es wieder über den Campolongo doch in Arabba dann nicht mehr in Richtung Pordoi sondern in die Überführung zum Passo Giau. Bis hierher fühlte ich mich spitze und hatte die Tour sehr genossen. Ich fand eine tolle Gruppe, in der sehr zügig über die kommenden 30 Kilometer zum Anstieg des Giau gefahren wurde. Das eine oder andere Mal setzte ich mich dabei sogar an die Spitze und übernahm Führungsverantwortung. Leider sollte sich dieses als Fehler herausstellen. Durch die schnelle Fahrt vergaß ich etwas das Essen und Trinken und so war ich zu Beginn der Auffahrt zum Passo di Giau nicht mehr im Vollbesitz meiner Kräfte. An der Abzweigung zur langen Strecke stand plötzlich Carsten und wartete auf uns. ich wollte allerdings nicht warten, da ich nicht wusste wo Fayek und Frank waren und mir diese Pause nicht gut bekommen wäre. So fuhr ich weiter und Carsten kurz danach hinterher.
Der sechste Anstieg
Vor diesem hatte ich am meisten Angst gehabt. Der Passo di Giau 10 Kilometer mit einer durchschnittlichen Steigung von 10%! Schon gleich zu Beginn der Steigung überholte mich Carsten und ich konnte ihm nicht folgen. Hier merkte ich die fehlenden Körner, die ich auf der Abfahrt vergeudet hatte. Einer nach dem anderen überholte mich und ich kämpfte mich derart schwer den Berg hinauf, dass ich einmal sogar auf jemanden auffuhr und fast gestürzt wäre. Nach der Hälfte des Anstieg ging gar nichts mehr und ich musste absteigen und schieben. Ich bekam sogar noch aufmunternde Zurufe es weiter zu versuchen, doch war ich total am ende. Nach einiger Zeit schwang ich mich wieder in den Sattel und fuhr sehr langsam weiter. Die Anzahl der Teilnehmer dünnte sich bereits ordentlich aus, doch ich musste erneut anhalten. ich entschied mich für ein paar Minuten wirklich stehen zu bleiben und etwas zu Essen und zu Trinken. Dann ging es weiter. So kam ich dann doch irgendwann auf dem Gipfel des Giau an. An der Verpflegungsstelle nahm ich mir etwas zu Essen doch so recht wollte mein Magen keine Nahrung aufnehmen. Jetzt bereute ich meine „wilde“ Abfahrt, so viel Spaß sie auch gemacht hatte…
Der siebte Anstieg
Ich wusste der schwerste Berg lag hinter mir und in der Abfahrt zum Falzarego konnte ich mich auch wieder etwas erholen. Doch erneut verließen mich die Kräfte und ich entschied mich für eine weitere Pause. So saß ich ca. 10 Minuten am Straßenrand und sah einen Fahrer nach dem anderen an mir vorbei ziehen. Doch konnte ich so gestärkt den letzten Abschnitt in Angriff nehmen. Kurz vor dem letzten „kleinen“ Anstieg begann es noch ein wenig zu regnen und ich fuhr recht vorsichtig da ich auf keinen Fall einen Sturz riskieren wollte.
Mür del Gat
Es galt im Startort über eine kleine Schleife noch eine letzte steile Rampe zu nehmen. Dort hieß es 350m mit einer durchschnittlichen Steigung von 13% und einer Spitze von 19% zu überwinden. Erfreulicher Weise waren immer noch viele Zuschauer da und feuerten uns an. Mein Ziel hier nicht abzusteigen schaffte ich und konnte mich dann auf die letzten Kilometer zum Ziel machen. Auf der Gegenfahrbahn kamen mir bereits diverse Fahrer entgegen, die bereits im Ziel gewesen waren und sich bereits auf dem Weg in ihre Unterkunft befanden, doch war ich nicht der Letzte…
Das Ziel
Mit erhobener Faust rollte ich durch Ziel und genau in dem Moment entdeckte mich Casi und rief mir freudig erregt zu ! Nur wenige Minuten nachdem ich angekommen war rollte auch Fayek durch Ziel. Der klärte dann mich und Carsten auch darüber auf, dass Frank ein großen Missgeschick passiert war. Er war am zweiten Berg nicht aus der Pedale gekommen und so unglücklich gestürzt, dass sein Ausfallende komplett verbogen war und er das Rennen aufgeben musste. Auch die Helfer hatten kein geeignetes Material dabei, dass ihm die Weiterfahrt ermöglicht hätte. So musste er sehr leidvoll alle anderen passieren lassen und mit dem Besenwagen bis nach Corvara mitfahren. Er war sehr unglücklich und es war wirklich schwer ihm etwas Trost zu spenden. Trotzdem trafen wir uns zusammen im Ort und feierten in der sich leerenden Festhalle mit Nudeln und Kuchen die erbrachte Leistung.
Fayek hatte mich nur deswegen nicht überholt, weil er an jedem Verpflegungsstand angehalten und ordentlich zugeschlagen hatte. Den Passo Giau hatte er von uns dreien in der schnellsten Zeit genommen !
Wir ließen den Tag gemütlich ausklingen, verstauten unsere Sachen und am kommenden Morgen ging es dann wieder nach Hause…



















































